Auch im Schlaraffenland der Forschung werden die Reserven an Milch und Honig knapp. - © APAweb/Matthias Rietschel/dapd
Auch im Schlaraffenland der Forschung werden die Reserven an Milch und Honig knapp. - © APAweb/Matthias Rietschel/dapd

Washington. Auch im Schlaraffenland der Forschung werden die Reserven an Milch und Honig knapp. Die USA verfügten trotz Finanzkrise und Sparmaßnahmen heuer über öffentliche Gelder für Forschung und Entwicklung (F&E) in der Summe von stattlichen 148,9 Mrd. Dollar (114,5 Mrd. Euro). Aber ein Monat vor der Präsidentschaftswahl ist die US-Wissenschaft in höchster Sorge: Denn der Großteil der Forschungsgelder wird über öffentliche Agenturen ausgeschüttet - und die werden, wenn es der Kongress nicht rechtzeitig verhindert, mit Anfang 2013 kräftig gestutzt.

  Zwar hält das niemand für eine gute Idee. Aber so will es die "Sequestration", eine Maßnahme, die im Budget Control Act aus dem Jahr 2011 festgelegt wurde. Sie beinhaltet automatische Kürzungen in den frei zu vergebenden Töpfen - insgesamt umfassen diese Ausgaben etwa ein Drittel des föderalen Gesamtbudgets. Das Absurde daran: Eigentlich hätte diese Regelung nie in Kraft treten sollen. Schon bei ihrer Einführung als "Notmaßnahme" bezeichnet, wurde ein Komitee im Kongress damit beauftragt, sich bis 2013 eine Alternative zu überlegen.

  "Es war eigentlich nur eine vorgehaltene Waffe", erklärt Matt Hourihan, der für die American Association for the Advancement of Science (AAAS) eine Analyse über die Folgen des Sparpakets anfertigte, im Gespräch mit Journalisten. Doch bis heute konnte man sich auf keine Lösung einigen. Und bis 13. November befindet sich der an vielen Fronten stagnierende Kongress ohnehin auf Wahlkampfpause.

   "Mit Vollgas über die Klippe"

  "Niemand hätte erwartet, dass es soweit kommt." Die Fassungslosigkeit angesichts der Paralyse im Kongress ist unter den Wissenschaftsadvokaten groß. "Wir fahren mit Vollgas über die Klippe und sie einigen sich nicht", ereifert sich etwa Norman Neureiter, wissenschaftlicher Direktor bei der AAAS und Veteran der US-Wissenschaftspolitik, im Gespräch mit der APA. "Stellen Sie sich zwei Leute in einem abstürzenden Flugzeug vor. Der eine schreit: Tu etwas! Und der andere: Nein, tu du etwas! Und dann stürzen sie ab."

  In Zahlen sieht dieser "Absturz" tatsächlich dramatisch aus: Insgesamt brächte die "Sequestration" Kürzungen von 55 Mrd. Dollar (minus 9,2 Prozent gegenüber 2012) im Verteidigungsbereich und 38 Mrd. Dollar (minus 8,2 Prozent) im Nicht-Verteidigungsbereich. Für F&E würde das laut AAAS-Berechnungen eine Verringerung zwischen zehn und zwölf Mrd. Dollar pro Jahr bedeuten - über die nächsten fünf Jahre (bis 2017) gerechnet wäre das ein Verlust von 57,5 Mrd. Dollar (minus 8,4 Prozent).