Wien. Die Österreichische Akademie der Wissenschaft (ÖAW) setzt im Zuge ihrer Restrukturierung einen radikalen Schnitt: Derzeit führt eine aus Akademie-Mitgliedern bestehende Gelehrtengesellschaft zahlreiche Forschungsinstitute mit mehr als 1300 Mitarbeitern. Nun sollen Gelehrtengesellschaft und Forschungsträgereinrichtung getrennt werden, das gemeinsame Dach ÖAW jedoch erhalten bleiben. Diesen Grundsatzbeschluss haben die Akademie-Mitglieder in einer Sondersitzung vergangenen Freitag gefasst und zum Teil als "historischen Schritt" bezeichnet, erklärte ÖAW-Präsident Helmut Denk am Montag.

Seit Jahren steht die ÖAW unter Reformdruck, zudem hat die erste Leistungsvereinbarung der Akademie mit dem Wissenschaftsministerium die Budgetnöte erhöht. Es gab heftige Debatten über Mitarbeiterabbau, Angliederung von Akademie-Instituten an Universitäten und Austritte einiger prominenter Mitglieder.

Weisungsfreie Leitung


Die "Entflechtung der Akademie" sei nötig, so Denk, um sie "an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts anzupassen". Für die Forschungsträgerorganisation ist eine eigene Geschäftsführung vorgesehen, bestehend aus einem wissenschaftlichen Direktor und einem Direktor für Finanzen und Administration. Statt bisher das ÖAW-Präsidium soll der wissenschaftliche Leiter - Denk wünscht sich dafür eine international renommierte Persönlichkeit - den Forschungsträger weisungsfrei leiten.

Die Rolle der Gelehrtengesellschaft, die künftig "Mitgliedergemeinschaft" heißen soll, will man im Bereich Gesellschafts- und Politikberatung stärken. Weiters ist eine "Verschlankung der derzeitigen Gremienstruktur geplant", sagte Denk. Er erwartet, dass durch die nun fixierten Reformschritte die ÖAW wieder in ruhigere Fahrwasser gelangt.