Im neugestalteten Saal wurde die Zahl der ausgestellten Objekte drastisch auf rund 1.100 reduziert. Dafür werden die Highlights hervorgehoben und deutlich mehr Information geboten. - © APAweb/Neubauer
Im neugestalteten Saal wurde die Zahl der ausgestellten Objekte drastisch auf rund 1.100 reduziert. Dafür werden die Highlights hervorgehoben und deutlich mehr Information geboten. - © APAweb/Neubauer

Wien. Ein zehn Kilometer großer Asteroid rast mit 30 Kilometer pro Sekunde auf Wien zu. Bei seinem Einschlag entsteht ein fünf Kilometer tiefer Krater mit einem Durchmesser von 180 Kilometer und ein Erdbeben mit der Magnitude 10 nach Richter. Ganz Europa wird zerstört, weltweit lagert sich Staub ab, langfristige Klimaeffekte sind die Folge. Dieses Szenario kann man im neuen Meteoritensaal des Naturhistorischen Museums (NHM) Wien - auch mit kleineren und langsameren Objekten - in einem Impakt-Simulator nachvollziehen. Die 3D-Animation zählt zu den Highlights der neugestalteten größten Schausammlung von "Steinen, die vom Himmel fallen", die ab morgen, Mittwoch, zugänglich ist.

  Die Meteoritensammlung des NHM ist die weltweit älteste, "es wurde bereits zu einer Zeit gesammelt, als noch gar nicht klar war, woher Meteoriten kommen", sagte NHM-Direktor Christian Köberl am Dienstag bei der Präsentation des neuen Saals. Die Sammlung umfasst mehr als 7.000 inventarisierte Objekte, rund 2.200 davon waren bisher ausgestellt, allerdings mit "Erklärungsmangel", so Köberl.

  Im neugestalteten Saal wurde die Zahl der ausgestellten Objekte drastisch auf rund 1.100 reduziert. Dafür werden die Highlights hervorgehoben und deutlich mehr Information geboten. Und zwar "unter der Überschrift: Was haben wir von Meteoriten gelernt", so Köberl. Und das sei durchaus Einiges: Etwa wie die chemischen Elemente im Universum und wie das Sonnensystem und die Erde entstanden sind und wie alt die Erde ist.

  Rund um die erhalten gebliebenen historischen Vitrinen im Zentrum des Saals finden sich an den Wänden diese Informationen und Medienstationen gepaart mit den Sammlungs-Highlights. Neben dem Impakt-Simulator kann man etwa die faszinierenden Impakt-Gläser betrachten, die bei einem Meteoriten-Einschlag durch Aufschmelzen des irdischen Materials entstehen. Mond- und Mars-Meteorite, darunter der erst kürzlich erworbene vom Mars stammende Stein "Tissint", der 2011 in Marokko eingeschlagen war, sind ebenso zu sehen wie historisch wertvolle Stücke wie der 1751 in Kroatien gefallene Eisenmeteorit "Hraschina", einer der ersten wissenschaftlich untersuchten Meteoritenfälle und Grundstein der Wiener Sammlung.

  Erstmals ausgestellt werden auch zwei bemerkenswerte Neuerwerbungen bzw. Dauerleihgaben: In einer Wandvitrine mit österreichischen Meteoriten - bisher sind nur sieben hierzulande gefallene Meteoriten bekannt - ist der 1976 entdeckte und nach dem Fundort "Ischgl" benannte Stein zu sehen, dessen Finder erst 2008 herausfand, dass es sich um einen Meteoriten handelt. Zudem sind als Leihgabe zwei fossile Meteoriten zu sehen, die vor 470 Mio. Jahren in einem flachen Meeresbecken eingeschlagen und im Sediment eingebettet wurden. Weltweit sind nur rund 100 fossile Meteoriten bekannt, die meisten wurden in einem Steinbruch in Südschweden gefunden und sind in Privatbesitz.

  (S E R V I C E - Naturhistorisches Museum Wien, neugestalteter Meteoritensaal geöffnet ab 14. November, umfangreiches Vermittlungsangebot, Details im Internet: http://www.nhm-wien.ac.at/; Buch-Neuerscheinung: "Meteoriten - Zeitzeugen der Entstehung des Sonnensystems", Franz Brandstätter, Ludovic Ferriere, Christian Köberl, Verlag NHM und Edition Lammerhuber, 268 S. 24,90 Euro)

  (BILDAVISO - Im AOM sind Bilder zum neuen Meteoritensaal abrufbar)
(Schluss) cm/aku/km