Wien. (est) Ist Österreich ein Zukunftsreich der Forschung? Nicht wirklich, waren sich Experten am Dienstagabend beim "Science-Event" der Austria Presse Agentur einig. Obwohl die Forschungsausgaben in den vergangenen 20 Jahren gestiegen seien, sodass das Land nun zu Europas Besten zählt, würde es noch nicht von innen und außen als Land der Forschung wahrgenommen. Es fehlen hochqualifizierte Forscher und eine Identifikation mit Wissenschaft.

"Länder mit höheren Forschungsausgaben haben ein höheres Bruttoinlandsprodukt (BIP). In Österreich wollen viele Menschen aber nicht glauben, dass Forschungsleistung Wohlstand bringt. Sondern sie sind der Ansicht, dass sie sich als reiches Land die Forschung leisten", betonte Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG). Laut Wolfgang Knoll, Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT), würde der Grundstein für diese Einstellung schon in der Schule gelegt, "wo man den Kindern das Interesse an den Naturwissenschaften austreibt." Nachsatz mit Augenzwinkern: "Zumindest ist es so in Deutschland, wo ich herkomme."

Begeisterung als Motor


Für den Wiener Quantenphysiker Anton Zeilinger ist Interesse der wichtigste Motor für die Wissenschaftsvermittlung. Das Interesse junger Menschen, etwa für die Quantenphysik, müsse in Begeisterung verwandelt werden, geweckt etwa durch Uni-Professoren und deren Studierende, die ihr Fach in Schulen vermitteln.

Die Exzellenzinitiativen, mit denen Regierungen den Standard ihrer Hochschulen heben wollen, brächten wenig, "wenn man die Exzellenz nur in einigen großen Instituten konzentriert", sagte Zeilinger: "Es ist wichtig, dass es auf jeder Uni international anerkannte Forscher gibt. Ich würde eine Exzellenzinitiative begrüßen, die jedem einzelnen Forscher das Gefühl gibt, dass er eine gute Idee umsetzen kann."

An Geld mangle es dafür nicht. Finanzierungen könnten sich ergeben, indem man Geld von hoch dotierten Forschungspreisen jungen Forschern widmet: "Der Wittgensteinpreis ist eine gute Sache, aber wahrscheinlich historisch überholt", sagte Zeilinger mit Verweis auf den "österreichischen Nobelpreis", der durch die ERC-Grants für Spitzenforscher in die Jahre gekommen sei. Weniger optimistisch sah der Geschäftsführer des Forschungsrats, Ludovit Garzik, die Zukunft. Sollte sich die Forschungsquote, wie von der Bundesregierung angepeilt, bis 2020 auf 3,76 Prozent des BIP erhöhen, brauche man 30.000 Forscher mehr. Da sich aber im Bildungssystem wenig bewege, "werden wir sie nicht haben".