"Österreich kann aufgrund seiner Einkommensposition keinen Preiswettbewerb bei undifferenzierten Produkten gewinnen. Wir müssen uns auf hochwertige Produkte spezialisieren, deren Erzeugung eine breite und tief greifende Wissensbasis erfordert, und dadurch erlauben, in bedeutenden Nischen Technologieführerschaft herzustellen", so Aiginger.

Angesichts der Tatsache, dass die Forschungsausgaben von derzeit 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich entfernt sind vom Ziel der Bundesregierung von 3,76 Prozent, erscheint eine "breite und tiefgreifende Wissensbasis" jedoch wie Wunschdenken. "Der Wermutstropfen im Budgetpfad liegt darin, dass die Ausgaben für Forschung, Bildung und Umwelt zwar durch ,Offensivmittel‘ immer wieder stabilisiert, aber gegenüber dem bisher geplanten Expansionstempo besonders stark gekürzt werden", warnt Aiginger. Und RFT-Präsident Hannes Androsch wird nicht müde, zu betonen: "Österreich sollte auf den Tugendpfad der Forschungsfinanzierung zurückkehren. Dabei geht es um jährlich zusätzliche 300 Millionen Euro." In ihrem Konjunkturpaket sieht die Bundesregierung allerdings keine Maßnahmen vor. Vielmehr ist das Wort Forschung gar nicht erwähnt.

"Es gibt kaum ein vergleichbares Land, in dem die öffentliche Hand so viel Geld für die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft ausgibt wie Österreich", betonte Helga Novotny, Präsidentin des Europäischen Forschungsrats, jüngst in einem Interview. Zwar gebe es 60 Christian Doppler Labors und 40 Kompetenzzentren und Kompetenzprojekte, in denen genau das geschieht, und seien praktisch alle Universitäten an Kooperationen beteiligt. Das Entstehen einer innovationsgeprägten Wissensgesellschaft würde aber durch die "Beharrungskräfte festgefügter Interessen" verhindert, so Novotny, die in Alpbach den Programmpunkt "Umsetzung von Forschung in die Wirtschaft" leiten wird.

Neugier ist schlecht bezahlt

Nicht zuletzt die Unterdotierung der Grundlagenforschung könnte den Fluss neuer Ideen für die Wirtschaft austrocknen. "Es wäre eine unrealistische Spekulation, wenn wir heute versuchen würden, die Innovationen und bahnbrechenden Entdeckungen der nächsten 35 Jahre vorauszusehen und vorherzusagen. Was man aber prognostizieren kann, sind langfristige Trends wie die wissenschaftliche Produktivität unseres Landes", schreibt Christoph Kratky, ehemaliger Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. Mit Blick auf den weltweiten Wettbewerb sei Spitzen-Innovation die einzig mögliche Antwort für ein kleines Hochlohn-Land wie Österreich. Dass Österreich 2050 in der Grundlagenforschung zur Weltspitze aufschließt, sei nicht unmöglich. Allerdings würde es erfordern, "dass wir ceteris paribus unsere Anstrengungen im Hinblick auf die wissenschaftlichen Zitationen pro Kopf erheblich steigern", so Kratky. Und das sei nicht nur, aber auch eine Frage des Geldes.