Alpbach. (est) Überfüllte Hörsäle, chronische Unterfinanzierung und eine erneuerungsbedürftige Ausstattung: Woran es den heimischen Universitäten mangelt, thematisieren die Medien fast täglich. Doch was wäre die ideale Universität? In Wirklichkeit gibt es sie nicht, waren sich die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion des Wissenschaftsministeriums zum gleichnamigen Thema zum Auftakt der Alpbacher Technologiegespräche einig.

Auch den vielerorts gepriesenen US-Universitäten wollte man nicht viel abgewinnen. Einzig die Informatikerin Monika Henzinger von der Technischen Universität Wien betonte: "Im Unterschied zu den US-Universitäten, die sich die Leute selbst aussuchen können, muss die Uni Wien jeden nehmen, der kommt. In der Informatik macht das den wesentlichen qualitativen Unterschied aus."

Tut es das? Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, fand nicht und stellte sich auch auch gegen Studiengebühren: "Ich halte nichts von Auswahlverfahren. Man kann nicht wollen, dass 50 Prozent der Bevölkerung das Abitur haben, und dann dürfen nur ein paar studieren. Wenn sie dabei auch noch für ihre Ausbildung bezahlen müssen, können sie ihr verfassungsmäßiges Recht auf Ausbildung gar nicht wahrnehmen", sagte Lenz, und: "Es kann nicht sein, dass junge, ausgebildete Leute auch dafür bezahlen müssen, dass sie der Gesellschaft etwas bieten."

Beste Unis sehen sich nicht nur als Ausbildungsstätten


Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle sah diesen Punkt zwar etwas anders, indem er meinte, es könne nicht sein, dass junge Menschen in Berufsausbildung für die Meisterprüfung etwas zahlen müssen, Studierende hingegen nicht. Er stimmte hingegen zu, dass das US-Modell nicht das Maß aller Dinge sei und plädierte für das europäische, Humboldt’sche Ideal: "Die Idee war ein selbsttätiges, tiefes Eindringen in eine wissenschaftliche Disziplin und das Vertrauen, dass so viele Transferwirkungen stattfinden würden, dass eine gute Bildung dabei herauskommt."

Er betonte: "Auch die moderne Forschung kann ohne Bildung durch Wissenschaft nicht auskommen. Sie ist aktueller denn je." Die besten Unis würden dieses Ideal anstreben, viele andere sich hingegen leider als reine Ausbildungsstätten verstehen.

Töchterle plädierte für eine "breite Spitze". Als abschreckendes Beispiel nannte er Taiwan, das rund 20 Millionen Einwohner und 170 Unis habe, von denen aber nur fünf Top-Qualität hätten. Eltern würden großen Druck machen auf ihre Kinder, in diese Ausbildungsstätten hineinzukommen. "Das ist eine Entwicklung, die ich in Österreich nicht will", stellte Töchterle klar: "Wir haben in Österreich sehr gute Unis, deren Qualität und Finanzierung man verbessern kann. Aber zu sagen, wir dünnen alle aus zugunsten von ein oder zwei Spitzen, ist keine gute Idee." Zur Schaffung einer Universitätslandschaft der "breiten Spitzen" gehöre auch die Förderung regionaler Unis: "Wenn wir die Regionen nicht stark machen, dünnen wir sie und damit die Wirtschaft aus", sagte der Minister.

Mit welchem Geld? Die Experten waren sich nur darin einig, dass es her muss. Am griffigsten fasste das die Schweizer Ökonomin Andrea Schenker-Wicki, Mitglied des Österreichischen Wissenschaftsrates, zusammen: "Das Ausbildungskonzept ist auch entscheidend, aber ohne Geld geht gar nichts. Im Verhältnis hat die kleine ETH Lausanne mehr Mittel als die ETH Zürich. Innerhalb von kürzester Zeit hat sie es in die Weltelite geschafft."