Berlin. (ag/gral) 3D-Drucker könnten nicht nur die Ernährung der Weltbevölkerung sicherstellen. Sie leisten ihren Beitrag für die Technik, bringen Prothesen hervor und sollen in Zukunft auch Organe produzieren. Zuletzt hat ein britisches Unternehmen menschliche Ohren und Nasen hervorgebracht. In der Zwischenzeit haben die 3D-Drucker auch den Einzug in die Welt der Paläontologen geschafft.

Ohne die Versteinerung aufwendig präparieren zu müssen, haben Berliner Forscher einen Dinosaurier-Knochen aus einem Fossil einfach ausgedruckt. Die Knochenkopie gelang nach einer Computertomografie, mit deren Daten ein 3D-Drucker gefüttert wurde, wie Ahi Sema Issever vom Institut für Radiologie an der Berliner Charité erläutert.

"Wir können einen Knochen im Gestein sehen und nachbilden, ohne das Fossil überhaupt anzufassen. Das Elegante ist, dass wir nichts zerstört haben", erklärte die Forscherin. Über die "virtuelle Präparation" berichtet die Wissenschafterin in der US-Fachzeitschrift "Radiology".

Kostengünstig und schnell


Für gewöhnlich bedeutet es einen Arbeitsaufwand von Wochen oder Monaten, Knochen aus den Sedimenten freizulegen. Außerdem bestehe für die Präparatoren immer die Gefahr, Bereiche des Original-Knochens zu zerstören, sagt Ahi Sema Issever. Die Computertomografie erlaube es, den Knochen im Sediment genau zu erkennen. Der 3D-Drucker könne relativ kostengünstig eine Kopie aus Kunststoff anfertigen.

Anlass für diese Knochenkopie war eine Anfrage aus dem Berliner Naturkundemuseum. Dort gerieten nach einer Bombenexplosion im Zweiten Weltkrieg Präparate von Grabungen aus Afrika und Deutschland durcheinander. Bis heute ist die Herkunft verschiedener Funde nicht geklärt.

"Um zu verstehen, was zu welcher Grabung gehört, müssten wir jedes einzelne Objekt öffnen", sagt der Dinosaurier-Forscher und Gastwissenschafter am Naturkundemuseum, Oliver Wings. Die CT-Technik sei für Paläontologen unglaublich hilfreich. Das untersuchte Knochen-Fossil habe sich als ein vor über 80 Jahren geborgener Wirbel eines etwa 210 Millionen Jahren alten Plateosaurus aus Halberstadt in Sachsen-Anhalt erwiesen.

In Zukunft Standard


Die Arbeit mit Computertomografen sei unter Paläontologen schon verbreitet. Die Berliner Forscher gehörten aber zu den Ersten, die die Daten unpräparierter Knochen für einen 3D-Druck genutzt hätten. "In Zukunft werden 3D-Drucke zum Standard", ist Wings überzeugt.