Graz/Leoben/Wien. Im tiefen Untergrund des Voralpenraumes schlummern vielfältige natürliche Ressourcen sowie Möglichkeiten zur Energie-Speicherung. Da etliche Untergrundstrukturen jedoch über Ländergrenzen hinweg verlaufen, bemühen sich Experten in einem EU-Projekt, länderübergreifend ein gemeinsames 3D-Modell des unterirdischen Voralpenraums zu erstellen. Am Wochenende präsentieren sie in Leoben erste Ergebnisse.

Der Druck auf den Untergrund wird immer größer: "Die tiefen sedimentgefüllten Molassebecken entlang des nördlichen Alpenrandes zwischen Lyon, München und Wien und entlang des südlichen Alpenrandes verfügen über ein hohes geothermisches Potenzial, Speicherkapazitäten für Wind-und Sonnenenergie sowie Raum für die Speicherung von Gasen oder Kohlendioxid". So formulieren es die Experten des EU-Projektes "GeoMol", an dem auch die geologische Bundesanstalt, Forscher der Montanuniversität Leoben und der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research beteiligt sind.


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Info zum Projekt und zur Tagung am 5. und 6. Juni in Leoben
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Ein einheitliches Modell
Die Aufgabe der Experten aus Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich der Schweiz und Slowenien ist es, ein einheitliches Modell zum Aufbau des Untergrundes des gesamten Alpenvorlandes zu erstellen, denn "geologische Strukturen hören ja nicht an der Landesgrenze auf", schilderte Sebastian Pfleiderer von der Geologischen Bundesanstalt in Wien. An der geothermischen Nutzung des Untergrundes an der Grenze zu Bayern sei Österreich z. B. gleichermaßen interessiert wie Deutschland. Nicht nur hier zeige sich der Bedarf grenzüberschreitender Nutzungskonzepte.

Daher ist das Projektteam seit rund zwei Jahren damit beschäftigt, die bisher auf unterschiedlichen Datenbanksysteme der jeweiligen Ländern aufbauenden Geodaten nach schlüssigen Kriterien und Richtlinien auszuwerten, mit Bohrungsdaten zu validieren, zusammenzuführen und abrufbar zu machen. Die grenzübergreifenden Informationen sollen dann nicht nur eine verbesserte Bewirtschaftung der Geopotenziale ermöglichen sondern auch eine Abwägung der gegenseitigen Beeinflussung des Nutzungen und möglicher Risiken ermöglichen. In der Schweiz sei zurzeit beispielsweise die Frage der CO2-Verpressung im Untergrund von besonderem Interesse. Und letztlich werde das Modell auch die Verortung möglicher Zonen zur Schiefergasgewinnung durch Fracking samt damit einhergehender geologischer Risikoeinschätzung ermöglichen - "auch wenn das zurzeit in Österreich eher auf Ablehnung stößt", so Pfleiderer.

"Thema der aktuellen Konferenz in Leoben ist vor allem die multiple Nutzung des tiefen Untergrundes für Geothermie, CO2-Speicherung und Erdgas-Vorratsspeicherung", präzisierte der österreichische Projektleiter. Die effiziente Nutzung dieser Ressourcen steht oftmals in Konkurrenz z. B. mit der Grundwasserversorgung oder der Öl- und Gasgewinnung. Daher sei bisher meistens nur eine Ressource in einer Tiefenschicht genutzt worden, "obwohl möglicherweise in verschiedenen Tiefen mehrere Nutzungen gleichzeitig möglich wären". Das 3D-Modell werde zeigen " was wo theoretisch und praktisch möglich ist", so Pfleiderer.