Lausanne. (aoj) Europaweit üben über 200 Forscher in einem offenen Brief Kritik am "Human Brain Project" (HBP). Die These des Milliardenprojekts sei zu eng formuliert, das Projekt zu wenig durchdacht konzipiert und der wissenschaftliche Begutachtungsprozess intransparent. All dies könnte dazu führen, dass es sein Ziel - ein Computermodell des menschlichen Gehirns zu schaffen - nicht erreichen könnte. Zudem wird die Leitung durch die ETH Lausanne (EPFL) bemängelt.

Mittels neuartiger Supercomputer soll das HPB das Gehirn bis ins Detail simulieren. 2013 wurde es zu einem der Flagship-Projekte der EU erkoren und mit einer Milliarde Euro für einen Zeitraum von zehn Jahren dotiert. 135 Forschungsanstalten sind beteiligt, auch aus Österreich.

Der offene Brief der Forscher ist an die Europäische Kommission gerichtet. Sollten die Empfehlungen im Brief von der Europäischen Kommission nicht umgesetzt werden, werde dies schwere Folgen haben. Die Unterzeichneten plädierten dafür, nicht an Partnerprojekten des HBP teilzunehmen und riefen Kollegen dazu auf, sich ihnen anzuschließen.

Bis Mitte 2016 koste das HBP rund 54 Millionen Euro. Erst danach steige die Größenordnung und dann ließe sich über die Finanzierung streiten, so ein Berater des HBP. Zudem seien manche der Unterzeichner von Anfang an gegen das Projekt gewesen.

Laut den Kritikern habe der Rat des HBP gewisse Aktivitäten der klassischen Forschung ausgeschlossen und bestehende Daten übernommen. Das HBP wird der Europäischen Kommission eine Antwort schreiben, in der auch andere Wissenschafter zu Wort kämen.Kommentar - Seite 26