Im "Vienna Open Lab" präsentierten Reinhold Mitterlehner und Eva Nowotny den neuen Aktionsplan. - © BMWFW
Im "Vienna Open Lab" präsentierten Reinhold Mitterlehner und Eva Nowotny den neuen Aktionsplan. - © BMWFW

Wien. "Wir müssen einen Ruck nach vorne machen, Gas geben!" Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht für Österreichs Forschung Aufholbedarf. Mit einer Forschungsquote von 2,88 Prozent (angepeilt sind bis 2020 3,76 Prozent) liege Österreich zwar an fünfter Stelle in Europa, trotzdem falle man aber nicht unter die "innovation leader", sondern nur unter die "innovation follower". Der neue Aktionsplan, den Mitterlehner am Mittwoch mit Helga Nowotny, der Vorsitzenden des ERA Council Forum Austria, präsentierte, soll Österreichs Forschung entsprechenden Aufschwung geben.

Ein vorrangiger Punkt ist darin die Verbesserung der Karrieremöglichkeiten, mehr Durchlässigkeit in einem System, in dem derzeit 75 Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter an den Universitäten befristete Dienstverhältnisse mit geringen Aussichten auf Fixanstellung haben. Es gehe darum, so Mitterlehner, von Kettenarbeitsverträgen "am Rande der Legalität" wegzukommen und sich dem US-amerikanischen Tenure-Track-System anzunähern. "Ein solches System fehlt diesem Land", ergänzte Nowotny. An der Technischen Universität München habe man jüngst hundert solche Stellen eingerichtet. In Österreich werde die Gruppe der mobilen, international gut ausgebildeten jungen Forscher zu wenig angesprochen.

Hier gelte es, betonten sowohl Mitterlehner als auch Nowotny, eine "Willkommenskultur" auszubauen. Dazu sollen im Rahmen der Rot-Weiß-Rot-Card Maßnahmen gesetzt werden. "Wir müssen uns international mehr öffnen", erklärte Nowotny. Das mache den Forschungsstandort attraktiv und damit werde man auch beim Einheimsen internationaler Mittel, etwa in Form von ERC-Grants, noch besser abschneiden.

Mit dem neuen Aktionsplan will Mitterlehner auch die private Finanzierung von Forschung durch gemeinnützige Stiftungen, erleichtern. Neue gesetzliche Regelungen im Bundesstiftungs- und Fondsgesetz sind in Arbeit und sollen 2016 in Kraft treten. Während etwa in Deutschland pro Kopf 183 Euro pro Jahr von Stiftungen in gemeinnützige Projekte fließen, seien es in Österreich ganze drei Euro, also lediglich ein Sechzigstel.

An den Universitäten ortet Mitterlehner zu wenig Unternehmergeist, 2014 habe es an allen 22 Unis zusammen lediglich elf Unternehmensgründungen gegeben, während in anderen Ländern die Spin-offs aus dem Boden schießen. In den neuen Leistungsvereinbarungen sollen die Unis erstmals aufgefordert werden, konkrete Verwertungsziele zu definieren. Das Ressort will sich bis 2018 die bessere Verwertung von Forschungsergebnissen 20 Millionen Euro kosten lassen.

"Citizen science" ausbauen


Unter dem Titel "Citizen Science" soll das zivilgesellschaftliche Engagement für Wissenschaft und Forschung gestärkt werden. Daher fand die Präsentation des Aktionsplans auch nicht zufällig im "Vienna Open Lab" statt, einem Ort, an dem vor allem Kinder und Jugendliche, aber auch erwachsene Bürger mit Forschung konfrontiert werden. Beklagt wurde in diesem Zusammenhang, dass sich laut Umfrage 55 Prozent der Österreicher nicht für Wissenschaft interessieren. Das gelte es zu ändern.

Während Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung den Aktionsplan begrüßten, nannte die Universitätenkonferenz das Papier zwar ein "positives Signal", sieht aber die Uni-Finanzierung noch als ungeklärt an. Kritik kam von den Grünen ("Ablenkungsmanöver ohne jede Substanz"), von der Österreichischen HochschülerInnenschaft ("klare Bildungsökonomisierung") und von den Neos, die darin "echte innovative Ansätze" vermissen.