New York/Paris. Der Asteroid "Didymoon" hat vermutlich eine atemberaubende Karriere vor sich. Zumindest haben die europäische Weltraumorganisation ESA und das US-amerikanische Gegenstück NASA große Pläne mit ihm. Sie wollen "Didymoon" aus seiner Bahn bringen. Der Test gehört zu einer Reihe von Projekten, die ein Ziel verfolgen: Die Abwehr von Asteroiden auf Kollisionskurs mit der Erde.

Die ESA fasst die Bedrohung in Zahlen: Mehr als 600.000 Asteroiden sind in unserem Sonnensystem bekannt, gut 12.000 davon gelten als erdnahe Objekte (Neos). Ihre Umlaufbahnen kommen der Erde relativ nah. Auf der Risiko-Liste der NASA stehen 494 Neos. Der Pariser ESA-Experte Ian Carnelli schätzt rund 30 bis 40 Asteroiden als "gefährlich" für die Erde ein. Mit dem Thema befasst sich auch eine fünftägige Konferenz der internationalen Akademie für Astronautik am ESA-Standort Esrin in Frascati bei Rom, die am Montag beginnt.

Attacke auf Didymoon

ESA und NASA wollen mit einer Sondenattacke auf "Didymoon" wichtige Daten darüber sammeln, wie Asteroiden auf Einschläge reagieren. Die ESA schickt dazu mit der 200 Millionen Euro teuren Asteroid Impact Mission (AIM) im Oktober 2020 per Sojus-Rakete aus Kourou eine Sonde auf den Weg zu den Didymos-Zwillings-Asteroiden. Der größere Zwilling durchmisst 800 Meter, umkreist wird er von einen Asteroiden mit 170 Metern Durchmesser - dem "Didymoon".

"Der Flug dauert rund eineinhalb Jahre, die Sonde muss im Oktober 2022 an Ort und Stelle sein", sagt AIM-Projektmanager Carnelli. Dann sind die Asteroiden mit elf Millionen Kilometer laut ESA "vergleichsweise nahe" an die Erde. Die Sonde beobachtet, sendet Satelliten aus, sammelt Daten und schickt ein Landemodul auf "Didymoon" - erstmals wieder, seit die Landeeinheit "Philae" von der Raumsonde Rosetta 2014 auf einem Kometen landete.

Ebenfalls Ende 2022 soll eine Sonde der NASA bei den Himmelskörpern ankommen und mit sechs Kilometern pro Sekunde direkt auf "Didymoon" aufprallen. "Der Einschlag wird den Asteroiden um etwa einen halben Millimeter pro Sekunde verlangsamen", sagt Carnelli. So könnten sich Umlaufbahn und Rotation von "Didymoon" verändern.

Die ESA-Sonde beobachtet die Asteroiden weiterhin vom All aus. Die Vorher-Nachher-Vergleiche sollen wichtige Erkenntnisse über die Reaktionen eines Asteroiden auf einen solchen Einschlag bringen. Auf die theoretischen Berechnungen soll somit praktisches Wissen folgen, das nach Einschätzung Carnellis künftig zur Abwehr von Asteroiden genutzt werden kann.