Wien. (gral) "Angesichts der Budgetsituation ist kein Programm tabu." Mit diesen Worten ließ Dorothea Sturn, Geschäftsführerin des Wissenschaftsfonds FWF, am Dienstag aufhorchen und kündigte gemeinsam mit FWF-Präsidentin Pascale Ehrenfreund die Einstellung des Doktoratskolleg-Programms an. Dieses werde heuer voraussichtlich zum letzten Mal ausgeschrieben. Weitere Überlegungen machen auch vor angesehenen Auszeichnungen nicht Halt. Evaluiert würden derzeit nämlich auch der jährlich vergebene, mit 1,5 Millionen Euro dotierte Wittgensteinpreis sowie die mit bis zu 1,2 Millionen Euro dotierten Start-Preise für Nachwuchswissenschafter.

Zwar wurde dem Fonds nach finanziellen Turbulenzen im Vorjahr seitens der Bundesregierung ein stabiles Budget für die kommenden Jahre zugesichert. So stehen dem FWF für den Zeitraum 2016 bis 2018 immerhin 552 Millionen Euro zur Verfügung. Doch allein um den Status quo halten zu können, sei eine Aufstockung der Mittel um acht Prozent jährlich notwendig, betonte Sturn.

Ehrenfreund bezeichnete das im April 2014 erstmalig im Bundesfinanzrahmen zugesicherte Fundament als "große Errungenschaft". Denn zuvor war das Budget des Fonds aus verschiedenen Töpfen und Rücklagen finanziert worden. Freude gibt es auch über ein gestiegenes Bewilligungsvolumen von 211,4 Millionen Euro für 691 Projekte, wodurch 3973 Forschende und deren Mitarbeiter finanziert werden konnten.

Doch trotz stabiler Geldflüsse entstehe dem FWF für die Jahre 2015 bis 2018 eine Finanzlücke von insgesamt 257 Millionen Euro. Neben der Einstellung des Doktoratskolleg-Programms sind auch kontinuierlich sinkende Bewilligungsquoten eine Folge davon. Nur noch 21 Prozent der beantragten Budgets konnten im Jahr 2014 genehmigt werden. Trotz exzellenter Beurteilung konnten Projekte im Ausmaß von mehr als 80 Millionen Euro aufgrund der Budgetknappheit nicht gefördert werden, fasste Sturn zusammen. Ein Hauptgrund für die sinkenden Bewilligungsquoten seien die stetig steigenden Kosten von Forschungsprojekten, betonte Ehrenfreund.

Für Sparmaßnahmen in Zeiten einer Wirtschaftskrise zeigte die Präsidentin zwar Verständnis, doch sei es "unlogisch, im Wissenschaftsbereich anzusetzen. Das bringt ein Land zum Stillstand". Und: "Die Unterdotierung der Grundlagenforschung wirkt sich auf die gesamte Innovationskette aus." Nur eine Änderung des Systems, wie es Schweden und Dänemark erfolgreich vorgeführt hätten, könne als Lösung des Problems gesehen werden.

Forschungsquote steigt


Unterdessen deuten Prognosen der Statistik Austria darauf hin, dass die Forschungsquote im Jahr 2015 erstmals über drei Prozent des BIP, nämlich bei 3,01 Prozent, liegen wird. Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht den Forschungsstandort Österreich "auf Rekordkurs", wie er angesichts der Daten betonte.