Aufgrund der Radardaten gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei den Monolithen im Untergrund von Durrington Walls mit hoher Wahrscheinlichkeit um Sarsen-Steine aus der Region handelt. - © Foto: LBI ARCHPRO
Aufgrund der Radardaten gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei den Monolithen im Untergrund von Durrington Walls mit hoher Wahrscheinlichkeit um Sarsen-Steine aus der Region handelt. - © Foto: LBI ARCHPRO

Wien/London. Ein riesiges Steinmonument in der Nähe zu Stonehenge in Südengland haben österreichische und britische Wissenschafter entdeckt. Unter dem Wall der drei Kilometer von Stonehenge entfernten steinzeitlichen Anlage von Durrington Walls fanden sie Hinweise für zumindest 200 bis zu 4,5 Meter hohe Steine, ein Teil davon ist noch vorhanden, erklärten die Forscher.

Der archäologische Sensationsfund (über den die Wissenschafter am 1. September vor Journalisten in London unter Auflage der Sperrfrist Montag, 7.9., 00.00 Uhr berichteten, Anm.) gelang den Wissenschaftern im Rahmen des internationalen Projekts "Stonehenge Hidden Landscape Project" ganz ohne Schaufel oder Spaten. In einer Kooperation der Universität Birmingham, des Ludwig Boltzmann Instituts (LBI) für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie sowie der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien wird seit 2010 ein zehn Quadratkilometer großes Gelände rund um Stonehenge Meter für Meter mit Bodenradar und Magnetometer analysiert. Diese geophysikalischen Methoden liefern u.a. detailreiche 3D-Bilder unterirdischer Gebäude und Anlagen.


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"Stonehenge Hidden Landscape Project"
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Bei sogenannten "Henges" handelt es sich um steinzeitliche Anlagen, die aus einem runden oder ovalen Erdwall und einem innen liegenden Graben bestanden. Auf der Fläche im Inneren standen oft Stein- oder Holzpfahl-Kreise. Die wohl bekannteste derartige Anlage ist Stonehenge.

1,5 Kilometer langer Wall

Durrington Walls zählt mit einem Durchmesser von 500 Metern (Stonehenge: 110 Meter) zu den größten Henge-Monumenten. Die Anlage besteht aus einem 1,5 Kilometer langen, 30 Meter breiten und bis zu drei Meter hohen Wall und einem innenliegenden, knapp 18 Meter breiten Graben. Im Inneren wurden bei früheren Grabungen die Überreste von zwei Holzpfahl-Kreisen ("timber circles") und Häusern gefunden.

"Wir haben Hinweise, dass die Anlage von Durrington Walls in ihrer westlichen Hälfte von zumindest 200 Steinen umgeben war, wodurch sie das größte Steinmonument in Großbritannien darstellen würde", sagte Klaus Löcker von der ZAMG und dem LBI im Gespräch mit der APA. Tatsächlich vorhanden sind allerdings nur mehr rund 40 bis zu 4,5 Meter hohe Steine, sonst sind nur mehr die Gruben zu erkennen, in denen sie aufgestellt waren. Aufrecht steht laut Löcker kein einziger Stein mehr, sie dürften umgelegt worden sein, als der Erdwall darüber errichtet wurde.