Washington/Wien. Die Forschungen zur Bekämpfung diverser, teilweise tödlich verlaufender tropischer Viruserkrankungen wie Dengue, Zika und Co. laufen weltweit auf Hochtouren. Auch Ebola - einer der gefährlichsten Krankheitserreger - steht immer wieder im Blickpunkt wissenschaftlicher Studien.

Dass sich die Infektion nicht nur als heftig, sondern zudem auch langwierig erweisen kann, zeigt jüngst der Fall einer britischen Krankenschwester. Sie war seit ihrer Ansteckung Ende 2014 zwar schon zweimal - einmal als "geheilt" und einmal als "vollständig genesen" - wieder aus dem Krankenhaus entlassen, nun allerdings mit einer späten Komplikation, wie es heißt, wieder stationär aufgenommen worden. Studien zeigen überdies, dass die meisten Überlebenden mit gravierenden Gesundheitsproblemen wie Schwäche, Gedächtnisverlust oder Depressionen zu kämpfen haben.

Affen überlebten nach
Infusionen symptomfrei


Derzeit gibt es noch keine wirklich geeignete Behandlungsmethode für diese Viruserkrankung, die alleine während ihres Ausbruchs zwischen 2014 bis 2015 in Westafrika für 11.000 Todesfälle verantwortlich ist. Zuletzt war die Antikörper-Kombination ZMapp mit teilweisem Erfolg experimentell im Einsatz. Doch nun wollen Wissenschafter des US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) gleich zwei monoklonale Antikörper entdeckt haben, die bei Makaken einen schützenden Effekt gezeigt haben, wie sie im Fachblatt "Science" berichten.

Im Rahmen ihrer Studie infizierten die Forscher vier Rhesus-Makaken mit einer tödlichen Dosis des Zaire Ebolavirus. Fünf Tage später behandelten sie drei der Tiere an drei aufeinanderfolgenden Tagen intravenös mit dem monoklonalen Antikörper namens mAb114 - ein Protein, das von einem Ebola-Überlebenden stammt, der beim Ausbruch 1995 in Kikwit in der Demokratischen Republik Kongo angesteckt worden war. Während die unbehandelten Makaken neun Tage nach der Infektion verstarben, überlebte die behandelte Gruppe symptomfrei.

In Folge untersuchten Forscher des NIAID und des Darthmouth College, wie mAb114 das Ebolavirus im Organismus neutralisiert. Der Antikörper dockt am Glykoprotein des Virus an, jener Eiweißstoff, der auf der Oberfläche des Erregers sitzt und als eine Art Generalschlüssel fungiert, um eine Wirtszelle infizieren zu können. Im Zuge dessen wird quasi die Interaktion zwischen dem Virus und seinem Wirt blockiert. Bisher galt das Glykoprotein für Antikörper als unerreichbar. Für gewöhnlich zeige es sich erst dann, wenn das Virus in das Zellinnere vordringt, schreiben die Forscher.

Antikörper übertreffen MZapp-Cocktail


Ihre Errungenschaft ist ein Wirkstoff, der die Fähigkeit besitze, die Interaktion zwischen dem Ebolavirus und seiner zellulären Rezeptoren zu neutralisieren, um eine Vermehrung im Körper zu verhindern. Die Wissenschafter glauben, in mAb114 eine effektive Therapiemöglichkeit gefunden zu haben. Aber auch der zweite Wirkstoff mAb100 habe sich als durchaus potent erwiesen, so die Forscher.

In ihren Studien zeigten beide Wirkstoffe eine um 25 Prozent höhere Bindungsfähigkeit an das Ebolavirus als der derzeit beim Menschen eingesetzte ZMapp-Antikörper-Cocktail, berichtet Davide Corti von der "American Association for the Advancement of Science".