Reine, weiße Eisflächen reflektieren Sonnenlicht. Weichen sie grauem Fels oder blauem Meer, fällt diese Kühlung weg. Auch solch schwer erfassbarer Rückkopplungseffekte wegen sind alle Prognosen mit Unsicherheiten behaftet: Die einen lassen den Meeresspiegel bis zum Jahr 2100 um 20 cm steigen, die anderen um zwei Meter.

Er ist Jahrtausende lang recht konstant geblieben. Daher siedelten Menschen gern an fischreichen Küsten oder im fruchtbaren Mündungsbereich von Flüssen. Der intensiven Landwirtschaft wegen sinkt der Boden in jedem fünften Flussdelta außerdem ab: etwa am Nil, am Mekong, am thailändischen Chao Phraya, am Jangtsekiang oder im Ganges-Brahmaputra-Delta. Verzweigte Deltas sind schwer zu schützen. Menschen leben dort bloß einen halben oder wenige Meter über dem Meeresniveau. Bis 2100 könnten, so ein Studie, 187 Millionen Menschen auf der Flucht vor den Wassermassen sein.

Ein Meeresanstieg von bloß einem Meter setzte weltweit Land von der halben Fläche Italiens unter Wasser. Machte man mit fossilen Brennstoffen ungezügelt weiter, hieße es auch in New York, Tokio, Hongkong, Shanghai, Kalkutta oder Hamburg "Land unter!".

Schutz für die Arktis

Letzten Dezember beschloss die UN-Klimakonferenz in Paris eine drastische Verringerung der Treibhausgas-Emissionen. Das soll den globalen Temperaturanstieg seit Beginn der Industrialisierung auf deutlich unter zwei Grad C begrenzen. Es darf also noch maximal ein Grad wärmer werden als heute! Bis zum Ende des Jahrhunderts wird der Meeresspiegel dann vielleicht nur einen Meter steigen. Bei Nichterfüllung der Pariser Klimaziele drohen allerdings keine Sanktionen.

In der Arktis lagern reiche Erdöl- und Erdgasvorräte, ebenso Gold, Zinn, Mangan, Nickel oder Platin. Bisher behinderte Eis den Abbau am Meeresboden. Doch dieses Hindernis schmilzt gerade weg. Die fünf Anrainerstaaten - USA (wegen Alaska), Kanada, Dänemark (wegen Grönland), Norwegen und Russland - liebäugeln mit den Bodenschätzen. Die einen betrachten den Meeresboden gleichsam als ausgedehnte Fortsetzung ihrer Landmasse, Nordpol inklusive. Russische U-Boote setzten dort bereits die Nationalflagge ab.

Andere fordern die sektorale Aufteilung der Arktis entlang der Längengrade, mit dem Pol als gemeinsamem Zentrum. Das größte "Tortenstück" fiele Russland zu. Norwegen und die USA müssten sich mit schmächtigen Sektoren abfinden.

In der Antarktis hatten sieben Staaten schon früher Gebietsforderungen angemeldet. Die USA und die UdSSR behielten sich ähnliches vor. 1961 war der Bergbau dort sowieso unrentabel. Also fror man die teils konkurrierenden Ansprüche ein. 1991 wurde das Abbauverbot für mindestens 50 Jahre verlängert - auch dank der Kampagnenarbeit von Greenpeace.

Für die Arktis fehlt ein derartiger Schutz. Dabei wäre etwa die Bekämpfung einer Ölpest auch dort kaum möglich. Umweltschutzorganisationen fordern daher ein Verbot der riskanten Ölbohrungen - oder gleich ein internationales Schutzgebiet rund um den Nordpol.

Neue Welttechniker

Die bequeme Alternative zum Einsparen von CO2-Emissionen heißt "Geo-Engineering": Technische Großmaßnahmen sollen das Klima reparieren. Noch klingt alles wie Science-Fiction. So könnten z.B. Heißluftballons oder himmelsstürmende Schläuche Schwefeldioxid in die Stratosphäre tragen. Dort würde es sich global verteilen. Auf natürlichem Weg geschieht dies nach heftigen Vulkanausbrüchen: Die resultierende Schwefelsäureschicht streut dann das Sonnenlicht und senkt so die Temperaturen - ein paar Monate lang.

Alternativ ließen sich Nanoscheiben aus Aluminium und Bariumtitanat in Höhen um 50 Kilometer ausstreuen.

Die Ozeane nehmen einen Teil des freigesetzten CO2 auf, doch um den Preis zunehmender Versauerung. Lebewesen mit Kalkskeletten leiden darunter - auch solche, die eine grundlegende Rolle in der marinen Nahrungskette spielen. Würde man das Meer mit Eisensulfat düngen, holte der so geförderte Algenreichtum noch mehr CO2 aus der Luft. Allerdings würden andere Meeresbewohner dann wohl "nach Atem ringen": Schon jetzt führt die Erwärmung der Ozeane regional zu Sauerstoffarmut.

Niemand weiß, wie effizient solche Techniken wirklich wären. Die Nebenwirkungen auf Klima, Ozonschicht, Bewölkung, Niederschlag, Tiere, Pflanzen oder Menschen sind ebenso unbekannt.

Auch wenn es diesen Begriff vor 125 Jahren noch nicht gab: Jules Verne beschrieb ein fiktives Geo-Engineering-Projekt. Die Gedankenspiele der heutigen "Welttechniker" hätten ihm genug Stoff für weitere derartige Romane geliefert. Vielleicht ist ja ein Verfahren darunter, das unsere Welt wirklich "aus den Angeln" hebt.