Tucson/Wien. Tatooine, Luke Skywalkers Heimat in der "Star Wars"-Saga, ist ein besonders außergewöhnlicher Planet. Er kreist im Gegensatz zur Erde um zwei Sonnen. In der realen Welt haben Astronomen nun einen wohl noch außergewöhnlicheren Exoplaneten entdeckt, der gar drei Sonnen als seine Heimatsterne bezeichnen kann. Dabei wäre es wohl möglich - abhängig von der Jahreszeit -, täglich drei Sonnenaufgänge und drei Sonnenuntergänge zu beobachten, skizziert ein Wissenschafterteam um Daniel Apai vom Department of Astronomy and Steward Observatory der University of Arizona in Tucson im Fachblatt "Science".

HD 131399Ab ist anders als jede uns bekannte Welt und besitzt die mit Abstand größte Umlaufbahn eines Mehrsternsystems. Der Planet befindet sich rund 340 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild des Centaurus und ist mit einem Alter von nur 16 Millionen Jahren - die Erde zählt rund 4,6 Milliarden Jahre - einer der bisher jüngsten entdeckten Exoplaneten. Mit der vierfachen Masse von Jupiter und einer Temperatur von 580 Grad Celsius ist er wohl auch einer der kältesten mittels Direct Imaging gesichtete Exoplaneten.

140 Jahre Tageslicht

Der Himmelskörper mit seinem Drei-Sternen-System wurde mit Hilfe von Sphere (Spectro-Polarimetric High-contrast Exoplanet Research), einem Instrument des ESO Very Large Telescope in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, erspäht. Ein Jahr dauert dort rund 550 Erdenjahre, wobei die zwei schwächeren Sterne viel enger beieinander stehen, berichtet der aus dem Forscherteam stammende Kevin Wagner. Ein Viertel seines Jahres - also annähernd 140 Erdenjahre - würde er in konstantem Tageslicht verbringen. Die Apparatur Sphere fängt vor allem Infrarotlicht ein, was es ermöglicht, die ausstrahlende Hitze junger Planeten zu messen, heißt es in der Studie. Es bedarf noch genauerer Observationen um den Bahnverlauf des Himmelskörper um seine drei Sterne bestimmen zu können.

Bisherige Beobachtungen und Simulationen brachten folgendes Szenario hervor: Das Zentrum des Systems bildet ein Stern, der 80 Prozent mehr Massivität als die Sonne hervorbringt und von den Astronomen HD 131399A benannt wurde. Diese wird von den beiden anderen Sternen B und C in einer Entfernung von 300 AU (Astronomical Unit) umkreist. Eine astronomische Einheit zählt die durchschnittliche Distanz zwischen Erde und Sonne. B und C wiederum wirbeln wie eine sich drehende Hantel in einer Entfernung wie von der Sonne zum Saturn spiralförmig herum.

In dem Szenario dreht sich der Planet HD 131399Ab in einer Bahn zwei Mal größer als jene des Pluto um den zentralen Stern A. "Würde der Planet noch weiter von diesem massiven Stern entfernt sein, würde er aus dem System hinausgekickt werden", schildert Daniel Apai. "Unsere Computersimulationen zeigen eine stabile Umlaufbahn, aber nur winzige Veränderungen würden diese sehr rasch instabil machen."

Mehrsternsysteme häufig

Astronomen haben ein besonderes Interesse an Planeten in Mehrsternsystemen, denn sie dienen als Beispiel, wie die Planetenformation in solch extremen Szenarios funktioniert. Für uns, in unserem von einer einzigen Sonne bestimmten System, erscheinen Mehrsternwelten exotisch, doch sie kommen genauso häufig vor, so die Forscher in der Studie. Die Konstellation zeigt uns, dass es in Outer Space wohl eine wesentlich größere Vielfalt gibt, als wir es jemals als möglich erachtet haben, betont Wagner in der Publikation.