Eine Geldspritze für die Forschung ist geplant . - © fotolia/björn wylezich
Eine Geldspritze für die Forschung ist geplant . - © fotolia/björn wylezich

Wien. Fast 300 Millionen Euro zusätzlich für Grundlagenforschung: In der Wissenschaftsgemeinschaft löste der Ministerratsbeschluss am Dienstag eine positive Stimmung aus. Zusätzliche 281 Millionen Euro will das Finanzministerium dem Wissenschaftsfonds FWF, Österreichs größter Agentur zur Förderung der Grundlagenforschung, an frischen Mitteln geben. Ob die Champagnerkorken knallen dürfen, muss sich allerdings erst weisen, zumal die Mittel erst im Finanzrahmengesetz 2018-2021 verankert werden müssen.

Geplant ist jedenfalls ein mehrjähriges Forschungs-Förderungspaket. Bis 2021 sollen 700 Millionen Euro an zusätzlichen öffentlichen Mitteln fließen, gab Infrastrukturminister Jörg Leichtfried vor Journalisten bekannt. 400 Millionen davon gehen an das Wissenschaftsministerium, am stärksten profitiert der FWF.

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung hatte es sich in ihrer Forschungsstrategie 2011 das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2020 zu den innovativsten Ländern in Europa aufzusteigen. Doch Papier ist bekanntlich geduldig und in der Folge passierte wenig, um dieses Ziel zu erreichen. Denn um sich mit vergleichbaren Ländern wie Dänemark oder der Schweiz zu messen, müssten in Österreich sowohl die Uni-Budgets als auch die FWF-Fördermittel maßgeblich steigen. Denn speziell in den Wissenschaften gilt: Mehr Geld ermöglicht mehr - moderne Geräte bringen klare Ergebnisse, bessere Forschungsgruppen innovativere Ideen, mehr Projekte mehr Erkenntnis. Für den FWF, der derzeit bei Bewilligungsraten von um 20 Prozent dahindümpelt und dessen Mittel nur ein Viertel des vergleichbaren Schweizer Nationalfonds ausmachen, empfahlen Experten eine Budget-Verdoppelung.

Das Doppelte wird es nun nicht, doch soll es jährlich um 50 Prozent mehr geben. Derzeit verfügt der FWF über ein Jahresbudget von 184 Millionen Euro. Ab 2018 soll die Summe sukzessive steigen, bis 290 Millionen Euro im Jahr 2021 erreicht sind. Der FWF wäre damit so gut ausgestattet wie noch nie.

"Rund 1500 zusätzliche exzellente Forscherinnen und Forscher (die der FWF für gut befindet, aber derzeit ablehnen muss, Anm.) können finanziert werden", heißt es im Ministerratsbeschluss, deren Autoren der Arbeitsgruppe Nummer 5 "Innovation und Forschung" sich positive Auswirkungen auf den entscheidenden "European Innovation Scoreboard" erhoffen.

"Es ist ein starkes Signal, dass die Stärkung der Grundlagenwissenschaft Priorität hat. Und es ist ein mutiger Schritt des Wissenschaftsministeriums, das großes Vertrauen in den FWF zeigt, mit diesen Ressourcen das beste für den Forschungsstandort zu tun", zeigte sich FWF-Präsident Klement Tockner im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erfreut. Mit im Programm ist sein Konzept der "1000 Ideen" für risikoreiche Start-ups aus der Grundlagenforschung. "Wir wollen neuen Ideen stärker zum Durchbruch verhelfen und unsere exzellenten Wissenschafter fördern", so Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner.

Weiters sollen die geplanten neuen Mittel in Forschung zu Quantencomputern, Digitalisierung und in den Ausbau der nächsten Mobilfunkgeneration "5G" fließen. Vereinbart wurde auch eine Gesamtevaluierung der Forschungsförderung in Österreich. Noch keine Entscheidung gibt es über die Zukunft der Forschungsprämie. Über eine allfällige Reform werde erst nach der geplanten Evaluierung entschieden.

Vorerst, für 2017, sind allerdings nur 16,4 der 700 Millionen Euro vorgesehen. Und wie viel von dem Paket an Unis geht, ist offen. Deren Budgets müssten mit den Leistungsvereinbarungen 2019-21 gesondert verhandelt werden, so das Wissenschaftsministerium.

"Die Pläne sind ein wichtiger Schritt. Aber wenn 80 Prozent der Grundlagenforschung in den Universitäten getätigt wird, kann man ohne sie keine Fortschritte machten", sagt Forschungsrat-Chef Hannes Androsch. "Außerdem brauchen wir für 2017 mehr für den Nationalfonds, der zurückgefallen ist. Es wird zusätzlicher Anstrengungen bedürfen nicht nur beim Geld, sondern auch beim Zugangsmanagement und der Effizienz."

"Es geht nicht nur um Geld, aber mit weniger Geld wird es nicht funktionieren", hatte Oliver Vitouch, der Chef der Universitätenkonferenz, am Montagabend im Klub der Bildungs- und Wissenschaftspublizisten betont: "Im Vergleich zur Schweiz oder Bayern haben wir ein gehöriges Delta. Derzeit sind Österreichs Unis geringer dotiert als in den Nachbarländern, haben aber weitaus mehr Studienanfänger."