J ungforscher könnten den USA den Rücken kehren oder gar nicht kommen, wenn die Einwanderungspolitik dies verhindert. - © fotolia/mnirat
J ungforscher könnten den USA den Rücken kehren oder gar nicht kommen, wenn die Einwanderungspolitik dies verhindert. - © fotolia/mnirat

Wien. (est) Schwerpunkt auf angewandte, industrienahe Forschung, doch auch langfristige Investitionen in Wissenschaft: So liest sich eine Stoßrichtung des künftigen US-Präsidenten Donald Trump auf der Website "sciencedebate.org. Da Wissenschaft, Innovation und Bildung im Wahlkampf untergingen und es offenbar praktisch keinen Austausch zwischen Trump und der Welt der Forschung gab, ergriffen US-Forschungsorganisationen und Universitäten die Initiative, den Präsidentschaftskandidaten 20 Fragen zu stellen.

Trumps Position: "Forschung und Innovation sind die Basis für den wirtschaftlichen Erfolg der USA." Den Klimawandel setzte sein Team allerdings unter Anführungszeichen und Atomkraft bezeichnete es als Energiequelle der Zukunft. Weiters sollen Eltern und Schulen entscheiden, worin die Kinder unterrichtet werden - naturwissenschaftliche Fächer sind nicht Pflicht.

Auf der Positiv-Seite will sich eine künftige Administration Trump um Wasserressourcen und Artenschutz kümmern und Weltraumforschung forcieren - allerdings unter anderem deswegen, weil sie den "Stolz des Landes" befördere. Auch psychische Gesundheit ist ein Thema - aber auch hier unter anderem "damit die Menschen produktiv bleiben".

Der Rest der Antworten bleibt vage, ein detailliertes Programm fehlt. Dies und die weltfremden Aussagen des Milliardärs im Wahlkampf lösen Proteste in der Welt der Wissenschaft aus gegen den künftigen US-Präsidenten. So hatte dieser unter anderem den Klimawandel als Erfindung der Chinesen bezeichnet und noch eins draufgesetzt, indem er angekündigt hat, aus dem Pariser Klimavertrag auszusteigen.

"Die Wissenschaft geht schwierigen Zeiten entgegen", beschreibt es der österreichische Stammzellforscher Marius Wernig von der Universität Stanford in Kalifornien in der Austria Presse Agentur. Wernig bezieht sich in seiner Befürchtung, die er insbesondere für die Stammzellforschung sieht, auf Aussagen Trumps und des künftigen Vizepräsidenten Mike Pence, der übrigens auch die Evolutionstheorie in Frage stellt.

"Trump wird der erste anti-wissenschaftliche Präsident sein, denn wir je hatten", betont Michael Lubell, Kommunikationschef der American Physical Society in Gespräch mit dem Fachjournal "Nature". Der Geschäftsmann habe eine der größten US-Förderagenturen, die National Institutes of Health, diffamiert, die Weltraumagentur Nasa als Logistik-Agentur für Erdumrundungen bezeichnet und angekündigt, die private Raumfahrt ausbauen zu wollen - ein kommerzieller, jedoch kein wissenschaftlicher Traum.