Geldscheine in rauen Mengen gibt es für die Unis - noch - nicht. - © fotolia/ufotopixl10
Geldscheine in rauen Mengen gibt es für die Unis - noch - nicht. - © fotolia/ufotopixl10

Wien. Österreich will sich bis 2020 zu den innovativsten Ländern in Europa zählen können. Das hat sich die damalige Bundesregierung im Jahr 2011 in ihrer Forschungsstrategie zum Ziel gesetzt. Lange fehlten konkrete Schritte - vergangene Woche segnete der Ministerrat nun eine "Forschungsmilliarde" ab.

Die chronisch unterdotierten Universitäten lässt der Ministerratsvortrag allerdings beiseite. Vielmehr stärkt er Grundlagenforschung an sich auf der einen und die Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft auf der anderen Seite. Das zeigt eine Durchsicht der Budgetposten in dem Papier. "Mittelerhöhungen für den Wissenschaftsfonds und die Akademie der Wissenschaften sind ein Ziel. Aber da Österreich in Rankings die Kritik erntet, es hätte Probleme mit der Überführung von der Forschung zum Markt, setzten wir an der Schnittstelle Wissenschaft-Wirtschaft an und fördern unter anderem auch Start-ups im Universitätsbereich", sagt Felix Lamezan-Salins, Sprecher im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft, zur "Wiener Zeitung".

Im Detail: Von 2018 bis 2021 sollen 700 Millionen Euro an zusätzlichen öffentlichen Mitteln fließen, die zum Teil aus der Bankenabgabe kommen sollen (die "Wiener Zeitung" berichtete). Hinzu kommen weitere 300 Millionen, um die Erträge der Nationalstiftung für Forschung aufzustocken und die Forschungsprämie zu erhöhen, wenn eine derzeitige Evaluierung ein positives Zeugnis ausstellt. Wenn die Mittel mit dem Finanzrahmen für 2018 bis 2021 fixiert werden, soll das Forschungs-Förderpaket in Summe eine Milliarde Euro betragen.

Von den 445 Millionen Euro, die dem Wissenschaftsministerium nach eigenen Aussagen zukommen sollen, sind 281 Millionen für den Wissenschaftsfonds FWF, Österreichs größte Agentur zur Förderung der Grundlagenforschung, vorgesehen: Das FWF-Budget soll von derzeit 184 Millionen Euro jährlich sukzessive auf 290 Millionen Euro im Jahr 2021 erhöht werden. Weiters gehen 40 Millionen Euro an die Österreichische Akademie der Wissenschaften, um die Digitalisierung in Bibliotheken und bei archäologischen Grabungen zu stärken, ebenso wie in die Forschungsfelder Quantentechnologie und Life Sciences. Weitere 32,7 Millionen Euro sind der Quantenforschung zugedacht und sollen in einen Demonstrator eines Quantencomputers sowie in die Beteiligung am EU-Flaggschiff-Projekt fließen, wovon auch die Uni-Quantenforschung profitiert.

Auch der Österreichische Austauschdienst, die Mobilitätsagentur der Bundesregierung, soll mehr bekommen: Zusätzliche 8,3 Millionen Euro sollen in die Abwicklung von Erasmus-Programmen und Auslandsaufenthalten von Lehrlingen und Forschern fließen. Mit den verbleibenden 81,8 Millionen sollen universitäre Spin-offs und Start-ups, Mentoring-Programme für Förderungen des Europäischen Forschungsrats für junge Spitzenforscher und die Durchführung der Open Innovation Strategie gefördert werden.

Infrastruktur und Elektronik


255 Millionen Euro sollen an das Infrastruktur-Ministerium gehen und somit der anwendungsorientierten Forschung zukommen. Aufgeschlüsselt sind das 80 Millionen für die Forschungsförderungsgesellschaft FFG zum Ausbau der Forschungsinfrastruktur, 30 Millionen für die Förderinitiative "Silicon Austria", die Forschung für Elektronik- und Mikro-Elektronik ankurbeln soll, und 80 Millionen für die Frontrunner-Initiative für innovative Unternehmen. Hinzu kommen Aufstockungen bestehender FFG-Programme, ein Programm zur Entwicklung von Prototypen und ein Zentrum für Translationale Forschung in einer Life Sciences Strategie, die demnächst vorgestellt werden woll.

Da die Universitäten ihre Budgets mit den nächsten Leistungsvereinbarungen 2019 bis 20121 gesondert verhandeln müssen, sind sie im Ministerratsvortrag nicht erwähnt: So begründet man von Seiten des Wissenschaftsministeriums die Tatsache, dass für sie aus der Milliarde höchstens ein paar Millionen bleiben. Zudem würden die Unis von der Aufstockung der FWF-Mittel "überdurchschnittlich stark profitieren", heißt es im Ministerium.