Innsbruck. In der DNA-Analyse ist mittlerweile sehr viel möglich, nicht alles jedoch erlaubt. So könnte man beispielsweise aufgrund von Spuren an einem Tatort ein genetisches Phantombild des möglichen Täters erzeugen. Wegen rechtlicher Gründe und Einschränkungen bei der Treffsicherheit werden derzeit im Rahmen der Österreichischen Nationalen DNA-Datenbank derartige Untersuchungen aber nicht durchgeführt.

Für die DNA-Datenbank wird nur im nicht codierenden Bereich der DNA untersucht. Dieser enthält keinerlei Informationen zu dem äußeren Erscheinungsbild oder Krankheiten. Trotzdem gebe es sehr viele Forschungsanstrengungen im Bereich der sogenannten "physical traits", sagte Martin Steinlechner vom Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck im Gespräch.

Das Problem: die Vielfalt

"Die Problematik ist aber, dass viele Dinge, die unser Aussehen beeinflussen von der Genetik her multifaktoriell sind", erklärte der Experte. Das heißt, nicht nur ein bestimmter Abschnitt an einem bestimmten Gen-Ort bestimmt die Augenfarbe oder Form der Nase. Vielmehr sei dies von vielen genetischen Faktoren abhängig. "Deshalb ist der Rückschluss nicht unmittelbar und die Aussagekraft nicht so hoch", meinte Steinlechner.

Man könne hierbei immer nur von Wahrscheinlichkeiten reden, mit denen ein bestimmtes Merkmal vorausgesagt werden kann. Gut voraussagbar sind beispielsweise die braune oder blaue Augenfarbe, bei allen Augenfarben die dazwischen liegen, sei dies bisher jedoch nicht so gut möglich, so der Experte. Die Vorhersagewahrscheinlichkeit liege derzeit durchschnittlich bei etwas über 80 Prozent. Ähnlich sei es mit der Haarfarbe, der Haarstruktur und verschiedenen anderen Körpermerkmalen.

"Man könnte also ein genetisches Phantombild erzeugen, aber im Endeffekt redet man immer nur von Wahrscheinlichkeiten, mit der bestimmte Merkmalausprägungen vorhergesagt werden können", so Steinlechner. Es verhalte sich dabei ähnlich wie beim Profiling, wo man versuche, aufgrund der Tatbegehung und der Opferauswahl Rückschlüsse auf den Täter zu ziehen. In Zukunft könnte diese Form der DNA-Analyse jedoch einer von vielen Bausteinen in einem Datenpool für Ermittlungen sein. Aber das sei noch Zukunftsmusik, sagte Steinlechner.

"Interessant wäre diese Form der Analyse bei wirklich schweren Delikten, beispielsweise bei ungelösten Mordfällen, bei denen sich eine Sonderkommission auf einen speziellen Fall konzentriert", meinte Petra Hatzer-Grubwieser ebenfalls von der Innsbrucker Gerichtsmedizin. Es würde keinen Sinn machen, bei jeder Spur derartige erweiterte Untersuchungen durchzuführen, fügte sie hinzu. Derzeit laufe unter Beteiligung der Innsbrucker Gerichtsmedizin zu dieser Materie ein EU-Projekt unter dem Namen "VISAGE: Visible Attributes through Genomics". "Dabei wird an Markern, die die Augen-oder Haarfarbe, das Alter oder die geografische Herkunft eines Menschen bestimmen, geforscht", sagte Hatzer-Grubwieser.