Welche weiteren Keime müssen wir ernsthaft fürchten?

H5N1, eine gefährliche Form der Grippe, ist bisher immer wieder in Asien ausgebrochen. Zwar hat der Stamm derzeit noch nicht die Genetik, um sich von Mensch zu Mensch zu verbreiten. Jedoch durchleben alle pandemischen Viren dieses Stadium in ihrer Evolution und mutieren danach zu hochansteckenden Keimen. Da H5N1 ebenso wie Ebola 60 Prozent der Infizierten tötet, ist es potenziell hochgefährlich. Es kann aber auch sein, dass es sich nicht mehr verändert.

Wie überschreiten Viren die Artengrenzen ihrer Wirte?

In Vögeln nisten sich Grippeviren im Magen-Darm-Trakt ein. Um in den Zellen unserer Atemwege andocken zu können, muss ein Antigen auf der Oberfläche des Virus die Struktur verändern. Dieser Prozess erfordert viele, viele Mutationen, mit wechselndem Erfolg. Das Virus, das am erfolgreichsten mutiert und sich an sein neues Umfeld anpasst, entwickelt dort wieder neue Strategien. Es muss somit eine Kaskade von Mutationen vollziehen.

Wie können wir verhindern, dass Viren pandemisch werden?

Das können wir nicht, aber wir können vorbauen. Etwa ist klar, dass die Massentierhaltung Pandemien fördert. Unter anderem in Asien sind Hühner in Geflügelfarmen im Grunde genetische Klone voneinander. Sie haben alle das gleiche Immunsystem - ein Schmelztiegel für Viren-Evolution! Keime können sich dort ohne Gegner durch die Herde wüten und neue Strategien ausprobieren. Die Parallelen zu den Soldaten in den Schützengräben 1918: Ein Virus, das sich frei von Wirt zu Wirt bewegt, fährt seine Virulenz zurück, damit der Wirt lange genug überlebt, um es verbreiten zu können. Aber wenn der Wirt sich kaum strecken kann, macht sich das Virus keine Umstände. Es tötet ihn und geht zum nächsten. Das virulente Virus wird mobil und evolutionärer Sieger.

Schlummert irgendwo eine neue, bedrohliche Infektionskrankheit?

"Disease X" (Seuche X, Anm.) ist eine Zoonose, die wir noch nicht kennen. Zoonosen überschreiten die Artengrenze. Sie werden immer häufiger, weil wir in neue Nischen vordringen, neue Tiere domestizieren, die Landwirtschaft und damit die Ökologie der Krankheiten verändern. "Diesease X" kennen wir zwar noch nicht. Aber sie könnte verheerend sein, weil das Immunsystem nicht vorbereitet ist. Das Nipah-Virus in Asien ist ein Kandidat. Es löst beim Menschen eine häufig tödliche Gehirnentzündung aus und wird durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter Tiere und Menschen übertragen.

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