"Vielen lässt das alles immer noch keine Ruhe. Es gibt sogar jedes Jahr ein paar Leute, die nach Nessie privat suchen", berichtet eine Mitarbeiterin des Loch-Ness-Zentrums. "Meistens sind die aber auf der anderen Seite des Sees. Da ist es ruhiger und einige Stellen sind besonders tief." So mancher machte heikle Vorschläge: etwa, den ganzen See zu vergiften und dann zu schauen, was oben treibt.

Der britische Paläontologe Neil Clark hält Nessie für einen badenden Zirkuselefanten. In den 1930er-Jahren machten viele Wanderzirkusse auf der Reise durch Schottland am Loch Ness Halt, berichtet er im "Open University Geological Society Journal". Als ein solcher Dickhäuter im See schwamm, waren laut Clark nur noch Rüssel und zwei Erhebungen - Schädeldecke und ein Teil des Rückens - zu sehen. Ein Zirkusdirektor habe als Marketinggag sogar 20.000 Pfund für die Ergreifung des vermeintlichen Ungeheuers geboten, so der Forscher von der Uni Glasgow. Für den Zirkusdirektor habe kein Risiko bestanden. "Er hatte das Ungeheuer vom Loch Ness bereits in seinem Zirkus."

Der Amateurwissenschafter Adrian Shine, der Jahrzehnte nach dem geheimnisvollen Wesen suchte, durchkämmte den See auch mit einer Flotte von Motorbooten und Sonargeräten. Doch von Nessie fand er keine Spur. Dabei wäre Shine und seinen Helfern noch nicht einmal eine Forelle entkommen, hieß es. Mancher vielversprechende Hinweis erwies sich sogar als peinlicher Flop: So fand eine Expedition der Zeitung "Daily Mail" am Ufer des Loch Ness angeblich mysteriöse Fußspuren des Ungeheuers. Tatsächlich stammten sie aber von einem präparierten Flusspferdfuß, der als Schirmständer gedient hatte.

Mit kühlem Kopf versucht dagegen ein internationales Forscherteam, das Rätsel zu lösen. Erst kürzlich entnahm es 300 Wasserproben aus dem See. Die Forscher wollen auf diese Weise DNA-Spuren von Lebewesen im See nachweisen. Und ganz nebenbei erhoffen sie sich einen Hinweis darauf, ob es eine reale Grundlage für die Legende vom Ungeheuer gibt. Projektleiter Neil Gemmell glaubt zwar nicht an Nessie - aber er geht unvoreingenommen an die Studie heran: "Große Fische wie Wels und Stör wurden als mögliche Erklärungen für den Monstermythos vorgeschlagen, und wir können diese Idee und andere sehr gut testen."

"Immer wenn sich eine Kreatur durch ihre Umgebung bewegt, hinterlässt sie winzige DNA-Fragmente aus Haut, Schuppen, Federn, Fell, Kot und Urin. Diese DNA kann eingefangen, sequenziert und dann verwendet werden, um diese Wesen zu identifizieren", erklärt der Biomediziner. Das Projekt sei aber mehr als eine Monsterjagd, betont er. Es sollen bisher unbekannte Arten dokumentiert werden - vor allem winzige Bakterien. Wer neugierig ist, muss sich noch ein bisschen gedulden. "Ergebnisse der Studie werden nicht vor Jänner 2019 vorliegen", sagt eine Pressesprecherin der neuseeländischen Universität von Otago.