Durch "vergleichende Planetologie" und die Erforschung des gesamten kosmischen Materiekreislaufs könne man etwa nachvollziehen, wie die Erde entstanden ist und sich entwickelte, so Franz Kerschbaum vom Institut für Astrophysik der Universität Wien. Kleine Länder könnten auch in der Weltraumforschung vorne mitspielen, wenn sie sich auf Nischenbereiche spezialisieren, meint er. Dies sei hierzulande zum Beispiel bei der Entwicklung von Software gelungen, die in Weltraumteleskopen steuert, wie sie Sterne finden, vermessen und die Ergebnisse zur Erde schicken. Verschiedene Missionen wie "Cheops", "Plato" und "Ariel" seien maßgeblich mit in Österreich entwickelten Computer- und Softwarekomponenten ausgestattet. Sie haben die Aufgabe, Planeten zu finden, auf denen durch ihre Beschaffenheit, Atmosphäre und Distanz zum nächsten Stern Leben möglich ist, und sie näher zu charakterisieren, erklärte der Forscher in einer Aussendung.

Bei der Konferenz im Austria Center Vienna wird heute, Montag, eine Wanderausstellung eröffnet, die anlässlich des 100 jährigen Bestehens der IAU im Jahr 2019 zusammengestellt wurde und 2018 und 2019 in verschiedenen Städten in Europa gezeigt wird. Dabei werden die wichtigsten und überraschendsten astronomischen Entdeckungen des vergangenen Jahrhunderts präsentiert, die Wissenschaft, Technologie und Kultur geprägt haben, so die Veranstalter. In dieser Zeit hat man entdeckt, was Sterne zum Leuchten bringt (Kernfusion), nachgewiesen, dass auch außerhalb unseres Sonnensystems Planeten existieren (Exoplaneten) und Menschen sind auf dem Mond gelandet, erklärte die niederländische Astronomin und IAU Präsidentin Ewine van Dishoeck vor Journalisten.

Eine weitere Wanderausstellung namens "Inspiring Stars", die die IAU gemeinsam mit der Amerikanischen Astronomischen Gesellschaft (American Astronomical Society, AAS) organisiert hat, wird am Mittwoch eröffnet. In der Schau werden Initiativen gewürdigt, die benachteiligte Menschen in die Verbreitung von Informationen aus der Sternenkunde sowie in die professionelle Astronomie einbinden. "Wir wollen zeigen, dass es keine Barrieren geben darf, die Menschen aus der aktiven Forschung ausgrenzen", sagte IAU Generalsekretär Piero Benvenuti. So habe zum Beispiel die aus Puerto Rico stammende Astronomin Wanda Diaz Merced als junge Forscherin ihr Augenlicht verloren, sei aber auch ohne diesen Sinn erfolgreich. Sie hat eine Methode gefunden, die Sterne zu hören, anstatt zu sehen, indem sie die Signale aus den Messinstrumenten in Töne übersetzt.