Eine Wiener Studie zeigt: Babys, die Passivrauch ausgesetzt waren, werden bei Atemwegserkrankungen in einem schlechterem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. - © APA/EXPA/ DOMINIK ANGERER
Eine Wiener Studie zeigt: Babys, die Passivrauch ausgesetzt waren, werden bei Atemwegserkrankungen in einem schlechterem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert. - © APA/EXPA/ DOMINIK ANGERER

Wien. Das "Don't smoke"-Volksbegehren mit Start am 1. Oktober soll die türkis-blaue Bundesregierung doch noch dazu bewegen, das von ihr gekippte Gastro-Rauchverbot zum Schutz vor Passivrauch einzuführen. Eine aktuelle wissenschaftliche Studie aus Wien belegt: Passivrauch-Babys werden bei bestimmten Atemwegsinfektionen ins Spital mit weniger Sauerstoff im Blut und einem schlechterem Zustand eingeliefert.

Wissenschafter analysierten Daten von 185 Babys

Die wissenschaftliche Untersuchung von Clemens Mädel (Erstautor) und anderen Experten ist am 2. August in der Fachzeitschrift "Pediatric Pulmonology" erschienen. Die Wissenschafter von der Kinderabteilung des Wiener Wilhelminenspitals haben die Daten von 185 Babys mit einem Durchschnittsalter von 106 Tagen analysiert, die in das Krankenhaus mit schwerer RSV-Infektion der Atemwege (Respiratory Syncytial Virus) eingeliefert wurden. RSV-Infektionen sind bei Babys und Kleinkindern häufig.

Die Experten bestimmten den Schweregrad der Erkrankung bei der Spitalsaufnahme nach klinischem Erscheinungsbild sowie nach der Sauerstoffsättigung im Blut. Hinzu kam eine Untersuchung des Harns der Babys auf das Nikotin-Abbauprodukt Cotinin.

"Die Daten von 185 Kindern wurden in die Analysen eingeschlossen. (...) 25 Patienten (Babys; Anm.) (13,5 Prozent) wurden als 'Cotinin-positiv' eingestuft mit einer Definition von mehr als sieben Mikrogramm pro Liter bei Spitalsaufnahme. (...) Die mediane (die Hälfte darüber, die Hälfte darunter) Sauerstoffsättigung lag bei den Cotinin-positiven Kindern lag bei 94,8 Prozent, bei den Cotinin-negativen Kindern bei 96,8 Prozent", schrieben die Wissenschafter. Der Unterschied war statistisch hoch signifikant.

Mehr als ein Viertel der Passivrauch-Babys benötigten Sauerstoff

Der Schweregrad-Index für die Erkrankung zum Zeitpunkt der Hospitalisierung war bei den "Passivrauch-Babys" mit Werten von 2,56 bzw. 1,71 ebenfalls statistisch signifikant schlechter. Statistisch hoch signifikant war der Unterschied im Anteil der Babys, welche nach Hiospitalisierung künstlich mit Sauerstoff versorgt werden mussten: Unter den "Passivrauch-Babys" waren es 28 Prozent, bei den Babys mit RSV-Erkrankung aus zuvor rauchfreier Umgebung nur vier Prozent.

Das Fazit der Experten ist einfach: "Kurz zurückliegende Passivrauch-Belastung war bei Kindern unter einem Jahr und RSV-Infektion zum Zeitpunkt der Spitalsaufnahme mit einer niedrigeren Sauerstoffsättigung und einem höheren klinischen Schweregrad in Verbindung mit gemessenen Harn-Cotininwerten verbunden."

Insgesamt gibt es bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien, welche sowohl schwerere RSV-Erkrankungen als auch einen höheren Anteil von Spitalsaufnahmen bei gleichzeitiger Passivrauch-Belastung von Kindern belegen. Das ergibt sich auch aus den Literaturverweisen der Wiener Wissenschafter in ihrer Studie.

In der Unterstützungserklärungsphase für das Volksbegehren wurden bereits 591.146 Unterschriften für ein Rauchverbot in der Gastronomie gesammelt. Initiiert wurde das Volksbegehren von Krebshilfe und Ärztekammer.

(S E R V I C E - Infos unter www.dontsmoke.at)