Ahnin des Homo sapiens: Australopithecus "Mrs Ples". - © commons
Ahnin des Homo sapiens: Australopithecus "Mrs Ples". - © commons

Wien. (est) Wiege der Menschheit heißt eine Region in Südafrika, in der sich die Evolution und die frühe kulturelle Entwicklung der Gattung Homo zugetragen hat. Die Bezeichnung bezieht sich auf den modernen Menschen und dessen Vorläufer, wie Homo erectus oder Australopithecus. 1999 wurde ein 25.000 Hektar großes Gelände im Witwatersrand-Becken 50 Kilometer nordwestlich von Johannesburg als Schutzgebiet ausgewiesen. Es umfasst 15 größere Grabungsstellen mit mehreren 100 Kalkstein-Höhlen, in denen zahlreiche Überreste fossiler Pflanzen, Tiere und Vormenschen gefunden wurden. In den Höhlen wurden 40 Prozent aller heute bekannten Fossilien menschlicher Vorfahren entdeckt, auch der berühmte Schädel des Australopithecus "Mrs Ples".

Ein Team um die Geochemikerin Robyn Pickering von der Universität Kapstadt konnte die Fossilien in eine zeitliche Anordnung bringen. Die im Fachjournal "Nature" veröffentlichte Arbeit korrigiert frühere Annahmen, dass die Fossilien in den Höhlen nicht in Bezug zu einander standen. Mit Hilfe der Uran-Blei-Datierung an 28 Tropfstein-Schichten im Sediment von acht Höhlen konnte das Team sechs Zeitfenster vor 3,2 bis 1,3 Millionen Jahren bestimmen. Die Uran-Blei-Datierung nützt die radioaktiven Zerfallsreihen von Uran, um Proben zu datieren. "Tropfsteine sind der Schlüssel. Sie bilden sich nur, wenn es feucht ist. Die Tropfsteindatierung gibt somit Aufschluss über Regenperioden. Dazwischen war das Klima trockener und die Höhlen bewohn- und begehbar", wird Pickering in einer Aussendung zitiert. Die Daten würden zeigen, dass frühe Hominiden in Zeiten starker Klimaveränderungen von nass bis trocken lebten, und dass sich diese vor zwischen drei und einer Million Jahre mindestens sechs Mal zutrugen.

"Anders als früher, wo die Datierungen immer nur Höhle für Höhle vorgenommen wurden, arbeiten wir vergleichend und können auf das Alter aller Fossilien in der Region schließen", so Pickering: "Die Verbindung ergibt ein präziseres Bild der Evolutionsgeschichte." Der Paläobiologe Bernard Wood, der an der Studie nicht beteiligt war, spricht vom "wichtigsten Fortschritt seit der Entdeckung der Fossilien".