- © Uni Wien/Vedrana lipogor
© Uni Wien/Vedrana lipogor

Wien. Affen sind sensibel für einen wichtigen Aspekt der Sprache. Wie Kognitionsbiologen der Universität Wien im Fachblatt "Evolution and Human Behavior" berichten, reagieren Weißbüscheläffchen bei musikalischen Tönen auf strukturelle Abhängigkeiten, die auch in der Sprache existieren. Das Team vermutet daher, dass bereits der gemeinsame Vorfahre des Menschen und dieser Affen eine Sensibilität für zusammenhängende Töne hatte.

Sowohl beim Sprechen als auch beim Musizieren hängen einzelne Worte und Noten voneinander ab. So werde erwartet, dass ein Satz ein Nomen und das zugehörige Verb enthalte und dass eine Melodie aus aufeinander abgestimmten Tönen bestehe, heißt es in einer Aussendung der Uni Wien. Menschen können diese Zusammenhänge gut verstehen - die Wissenschafter sprechen von "Sensibilität für strukturelle Abhängigkeiten" oder auch "Abhängigkeits-Sensibilität". In ihrem Experiment spielten die Forscher den Äffchen hunderte verschiedene Tonsequenzen mit einer variablen Anzahl hoher Töne vor. Sie umrahmten die von einem ersten und letzten Ton, die tief waren, was die strukturelle Abhängigkeit darstellen sollte. Dann wurden den Tieren neue Tonfolgen vorgespielt: einerseits wieder von tiefen Tönen umrahmte Sequenzen, andererseits solche, bei denen der erste oder der letzte tiefe Ton fehlte - und damit auch die strukturelle Abhängigkeit. Dabei überprüften die Wissenschafter mit Hilfe einer speziellen Software, die die Kopfbewegungen der Tiere verfolgt, bei welchen Tonfolgen die Äffchen zum Lautsprecher schauten. Es zeigte sich, dass sie bei Sequenzen mit Abhängigkeiten öfters zum Lautsprecher blickten.

"Das war überraschend, weil Primaten in solchen Experimenten normalerweise stärker auf unerwartete Reize reagieren. Eine Präferenz für vertraute Sequenzen wird allerdings häufig in Studien an Kleinkindern beobachtet", betont die Kognitionsbiologin Vedrana Slipogor von der Uni Wien.

Für die Forscher suggeriert der Nachweis einer "Abhängigkeits-Sensibilität" bei den Tieren, dass dieser wichtige Aspekt der Sprache bereits im gemeinsamen Vorfahren von Weißbüscheläffchen und Menschen existiert hat. Die Weißbüscheläffchen gehören zu den Neuweltaffen, die sich vor über 30 Millionen Jahren von den Altweltaffen, zu denen auch der Mensch zählt, abgespalten haben.