Wien. Eine Website lässt Überlebende des Holocaust zu Wort kommen. 200 Stunden Zeitzeugen-Interviews sind auf http://erinnern.at abrufbar und ermöglichen Schülern die Beschäftigung mit der Nazi-Zeit. "Wenn wir durch die Geschichte lernen wollen, dann muss die aktive Erinnerungspolitik integrativer Bestandteil schulischer Ausbildung sein", sagte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Freitag.

Immer weniger Zeitzeugen stünden zur Verfügung, um ihre Erfahrungen weiterzugeben, betonte Faßmann, "das ist ein demografisches Faktum". Aus diesem Grund wurde nicht nur bestehendes Videomaterial aus Österreich, sondern etwa auch US-amerikanischen Beständen gesammelt, digitalisiert und auf die Website gestellt. Der Bildungsminister hofft, dass man dadurch vor allem bei Jugendlichen Bewusstsein uns Sensibilität schafft.

Die Lebensgeschichten seien sorgsam aufbereitet und kuratiert worden, so Werner Dreier, Geschäftsführer des Vereins erinnern.at. So ermögliche eine Beschlagwortung eine gezielte Suche nach Orten, Themen und Personen. "Mini-Dokumentationen", welche von Schülern auch selbst zusammengestellt werden können, stehen ebenfalls zur Verfügung. Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner wurde ein eigener Schwerpunkt zusammengestellt.

Auch die Geschichte der nunmehrigen Wissenschafterin Katja Sturm-Schnabel, einer einst mit ihrer Familie durch die Nazis deportierten Kärntner Slowenin, ist auf erinnern.at abrufbar. Bei der Präsentation des Projekts selbst schilderte sie ihre zuerst glückliche Kindheit auf einem Bauernhof in Klagenfurt - bis Nationalsozialisten mit Gebrüll das Haus der Familie stürmten und in weiterer Folge ihre Schwester umbrachten.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt durch das Bundeskanzleramt, das Bildungsministerium und durch den Nationalfonds