1978: Beginn von schwierigen Verhandlungen zwischen (v.l.)  Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat, US- Präsident Jimmy Carter und Israels Ministerpräsident Menachem Begin. - © MILNER MOSHE
1978: Beginn von schwierigen Verhandlungen zwischen (v.l.)  Ägyptens Präsident Anwar as-Sadat, US- Präsident Jimmy Carter und Israels Ministerpräsident Menachem Begin. - © MILNER MOSHE

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" beschrieb die bis dahin unvorstellbare Szene damals so: "Ein muslimischer Staatschef mit der Sabiba auf der Stirn - dem Mal vom Berühren des Bodens bei unzähligen Gebeten in Richtung Mekka - vor einem Großbild des Zionismus-Propheten Theodor Herzl in Israels Knesset."

Wie sein Vorgänger Nasser betrachtete sich auch Sadat als Sachwalter der palästinensischen Interessen. Seit der Gründung Israels 1948 war Ägypten gegen einen jüdischen Staat auf Kosten der Palästinenser. Die aber betrachteten die Ächtung Israels als den Zement, der die Araber zusammenhielt. Kontakte mit dem Judenstaat waren deshalb tabu. Ägyptens arabische Nachbarn verdammten daher Sadats Reise. "Der Verräter hat seinen Hals in die Schlinge gesteckt", erklärte ein Sprecher der PLO, der palästinensischen Befreiungsorganisation, nach Sadats Ankunft in Jerusalem. Und weiter: "Sadat kann dem Henker nicht entkommen", während die ägyptischen Massen Sadat bei seiner Rückkehr in Kairo jubelnd empfingen.

Ein Ergebnis der Annäherung in Jerusalem waren zehn Monate später die Verhandlungen in Camp David, dem Landsitz von US-Präsident Jimmy Carter nahe Washington. Teams aus Israel und Ägypten mit Begin und Sadat an der Spitze begannen dort am 5. September 1978 auf Einladung von Carter die "geheimsten Verhandlungen, die er je erlebt habe", so der amerikanische Botschafter in Bonn, Walter Stoessel, später zum deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Nach 13 Tagen, in denen alle Beteiligten hermetisch von der Öffentlichkeit abgeschottet waren, hatte man sich auf zwei Rahmenabkommen geeinigt, die zum Frieden im Nahen Osten führen sollten. Im ersten ging es um den Abschluss eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel innerhalb von drei Monaten; u. a. sollte sich Israel aus dem Sinai zurückziehen und die Siedlungen dort auflösen.

Eine neue Ära

Im zweiten Abkommen sollte Israel innerhalb von fünf Jahren eine autonome Verwaltung in der Westbank und im Gazastreifen einrichten. Dafür waren Verhandlungen zwischen Israel, Ägypten, Jordanien und Palästinensern vorgesehen. Während dieser Zeit sollte Israel auf den Bau weiterer Siedlungen in den von ihm besetzten Gebieten verzichten.

Die Dokumente wurden unter großem Medienaufwand am 17. September in Washington von Carter, Sadat und Begin unterzeichnet. Für den ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger war Camp David ein "großer Erfolg". Man sei "in eine neue Ära eingetreten", bewege sich "in einer neuen Wirklichkeit und arbeite in einem neuen Rahmen.

Für Österreichs Botschafter in Israel, Ingo Mussi, stellte sich das Abkommen so dar: Begin sei zu "weitergehenden Abstrichen im Sinai fähig, weil sie seine Eretz Israel-Ideologie [Israel plus die Westbank und Gaza] nicht tangieren. Hier trifft er sich auch mit Präsident Sadat: Nach Camp David scheint klar zu sein, daß es dem ägyptischen Präsidenten vor allem darum ging, alle seine Forderungen im Sinai durchzusetzen, während er bezüglich der Westbank und Gaza bereit war, die Dinge auf die lange Bank zu schieben, sie im Unklaren zu lassen und Kompromisse zu schließen." Viele Fragen seien offen gelassen, viele "äußerst vage", das Palästinenserproblem "weiterhin ungelöst", aber insgesamt seien die Vereinbarungen ein großer Fortschritt. Israel, so Mussi weiter, "steht vor einer neuen, völlig unvertrauten Situation: Aussicht auf Frieden mit einem seiner Nachbarn. Bei aller Zuversicht ist klar, daß auch die Zukunft ernste Gefahren birgt."