Die eigentlichen Friedensverhandlungen zwischen Israel und Ägypten begannen am 12. Oktober 1978 in Washington. Die Arabische Liga warnte und drohte Sanktionen für den Fall der Unterzeichnung eines solchen Vertrages an: Suspendierung der Mitgliedschaft Ägyptens, Verlegung des Sitzes der Liga von Kairo in ein anderes arabisches Land und Wirtschaftssanktionen gegen ägyptische Unternehmen, die mit Israel zusammenarbeiten würden.

Das hielt Sadat nicht ab. Am 26. März 1979 unterzeichneten er und Begin in Washington den Friedensvertrag für ihre Länder. Darin verpflichteten sie sich auch zur Aufnahme von Verhandlungen über eine Autonomie der Palästinenser. Das aber seien, so der US-Botschafter in Israel, "die größten Schwierigkeiten der Nahostpolitik". Und Botschafter Mussi meinte dazu Ende April 1979: "Wie sich die Dinge, von Israel aus gesehen, darbieten, ist Sadat nämlich fest entschlossen, ganz Sinai zurückzubekommen. Das aber dauert laut Friedensvertrag drei Jahre." Dabei war an eine Autonomie für die Palästinenser nicht zu denken, denn "die israelische Regierung hat vorerst weitgehend freie Hand." Dass die Palästinenser zuvor Camp David abgelehnt hatten, war aus Mussis Sicht "ein schwerer Fehler", der jetzt bestätigt wurde, denn "es gehört wohl zum tragischen Schicksal dieses Volkes, Gelegenheiten stets zu versäumen."

Die Ägypter erhielten die Sinai-Wüste zurück und feierten Sadat Jahr für Jahr am 6. Oktober, dem Tag der Kanalüberquerung im Yom Kippur-Krieg. Hunderttausende strömten jedes Mal zu den Militärparaden.

Am 8. Jahrestag des Krieges, am 6. Oktober 1981, endete das Volksfest tragisch, als vor der Ehrentribüne plötzlich Soldaten aus vorbeifahrenden Militärfahrzeugen sprangen. Sie warfen Handgranaten und feuerten aus Maschinengewehren auf Sadat, der den Vorbeimarsch inmitten der militärischen und politischen Prominenz beobachtete. "Das ist unvorstellbar", soll er gesagt haben, als Angehörige seiner Armee auf ihn schossen. Panik brach aus.

Der Tod Sadats

Den Tod des Präsidenten verkündete am Abend sein Nachfolger Hosni Mubarak mit folgenden Worten: "Allah hat bestimmt, dass Sadat an einem Tag starb, der selbst symbolisch für ihn stand. Er war umgeben von seinen Soldaten, von Kriegshelden und Menschen, die alle die Wiederkehr des Tages feierten, an dem die arabische Nation ihre Würde zurückgewann."

"Ich habe den Pharao getötet!", hatte Sadats Mörder gerufen (der verhaftet und hingerichtet wurde). Die Offiziere und Unteroffiziere waren radikale Muslime, hassten den religiös toleranten Sadat und wollten ihn für seinen Friedensschluss mit Israel strafen. In Palästinensergebieten wurde die Nachricht von Sadats Tod bejubelt.

Sadats Witwe Jehan hatte das Attentat miterlebt und schrieb später in ihrer Autobiografie: "Manchmal gehe ich in sein Schlafzimmer und öffne den Schrank, um mir die Uniform anzusehen, die er am letzten Tag seines Lebens trug. Sie hängt noch da mit den Einschusslöchern an der Schulter. (. . .). Sein blutgetränktes Hemd ist inzwischen steif und braun geworden. Selbst das bewahre ich für den Tag, da Ägypten bereit ist, meinen Mann zu ehren."

Der letzte Satz spiegelt wider, wie umstritten der im Westen bewunderte Sadat bei seinem eigenen Volk war, wie verhasst in arabischen Ländern. Seine Initiative beendete zwar die israelisch-ägyptische Konfrontation, aber im Palästinakonflikt bewegte sie nichts, während Israel seine Siedlungspolitik fortsetzte. In der Hinsicht blieb Sadats Reise nach Jerusalem eine Episode enttäuschter Hoffnungen und der Frieden zwischen Israel und Ägypten ein kalter Frieden.