"Die Panzerbesatzungen hat
es herausgeschleudert"

Pepi Andersch wurde in den letzten Tagen der Nazi-Herrschaft Zeuge echter Zivilcourage. "In dem Gemeindebau Ecke Kantnergasse und Justgasse in Floridsdorf hat die deutsche Wehrmacht - es kann auch die SS gewesen sein - eine Eckwohnung im Erdgeschoß geräumt. Dort haben sie eine Funkzentrale eingerichtet. Wir Kinder haben bei so etwas immer zugeschaut. Die Frauen sind dort hingegangen und haben protestiert. Die haben gesagt: ‚Verschwindet! Bis jetzt haben wir keine Bombeneinschläge gehabt und jetzt setzt ihr euch hier mit einer Funkzentrale fest.‘ Die Soldaten waren dann auch nicht mehr lange dort, weil sie vor den Russen getürmt sind", erinnert sich Andersch.

"Wie ich mit meiner Mutter von der Leopoldauer Straße nach Jedlersdorf gegangen bin, haben wir entlang der Brünner Straße einen deutschen Panzer nach dem anderen gesehen. Sie sind einfach dort gestanden, in den letzten Kriegstagen. Es war meistens schönes Wetter. Dann sind die russischen Tiefflieger gekommen und haben jeden einzelnen Panzer bombardiert. Ich habe die Leichenberge gesehen. Die Besatzungen der Panzer hat es rausgeschleudert", so Andersch.

"Als die Russen dann gekommen sind, war kein Gefechtslärm zu hören. Alles war still, wie bei einer Sonnenfinsternis. Da sind wir Kinder rauf aufs Dach und haben bei der Dachbodenluke hinausgeschaut. Wir haben gesehen, wie die ersten Russen über die Siemensstraße hereingekommen sind. Zuerst sind sie mit Motorrädern mit Beiwagerln gekommen. Wir haben geglaubt, dass das Türken sind, wegen diesen Pelzkappen. Wer sind die, fragte ich mich? Ich war damals knapp elf Jahre alt."

"Und ich habe gefragt:
Mama, warum?"

Hedwig Sutara ist nach der Befreiung Wiens in einem dreitägigen Fußmarsch mit ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester von Puchberg am Schneeberg nach Wien gekommen. "Die Floridsdorfer Brücke war gesprengt. Meine Mutter wusste ja, wo sie hinmusste. Durch den Schutt. Sie ist vor der Floridsdorfer Brücke gestanden, mit mir und meiner Schwester, die eineinhalb Jahre alt war. Ich war sechs Jahre alt.

Die Brücke lag in der Donau, wir sind über den rutschigen Eisenbogen rüber. Alle haben gerufen: ‚Es ist Frieden!‘ Und ich habe die erschossenen Soldaten gesehen, Russen. Und ich habe gefragt: ‚Mama warum? Du hast gesagt, es ist Frieden.‘"