Zur Koordinierung der Verhaftungen begann Himmlers Stab ab dem 18. März mit dem Aufbau einer großen Gestapoleitstelle in Wien, die ihren Sitz im Hotel Métropole am Morzinplatz bezog. Bis Monatsende wurde aus den bis dahin Verhafteten eine Liste von 150 Personen zusammengestellt, die im Polizeigefangenenhaus Rossauerlände an der Elisabethpromenade im 9. Bezirk (im Volksmund "Liesl" genannt) konzentriert und am Abend des 1. April zum Westbahnhof gebracht wurden, von wo der Zug nach Dachau abfuhr.

Unter den in das dortige Konzentrationslager verschickten Männern befanden sich unter anderem hochrangige Funktionäre der österreichischen Regierungspartei Vaterländische Front, aber auch deren politische Gegner: Sozialdemokraten und Kommunisten, sowie eine größere Gruppe bekannter jüdischer Wirtschaftstreibender und Künstler.

Diese Zusammensetzung des Transports war der Grund für die in weiterer Folge eingebürgerte Bezeichnung "Prominententransport". Es war darin aber nicht nur das gesamte politische Spektrum des damaligen Österreich vertreten (u.a. Leopold Figl, Alfons Gorbach, Robert Danneberg, Viktor Matejka), sondern auch Menschen, deren "Verbrechen" darin bestand, Juden zu sein. Stellvertretend für die insgesamt 63 Juden im Transport sind hier nur einige Namen angeführt: Gebrüder Burstyn, Schriftsteller Fritz Löhner-Beda, Kunsthändler Wilhelm Kurtz, Gewürzefabrikant Johann Kotányi, Verleger und Zeitungsherausgeber Paul Kolisch, Sportjournalist Maximilian Reich.

Insgesamt wurden im Jahr 1938 rund 8000 ausschließlich männliche Österreicher in das KZ Dachau eingewiesen. Unter jenen, die den KZ-Terror überlebten, haben viele die Zweite Republik mit aufgebaut. Der nach 1945 oft beschworene "Geist der Lagerstraße" - das, bei allen politischen Gegensätzen, gemeinsame Bekenntnis zur demokratischen Republik Österreich - bezog sich auf die gemeinsame Haft-Erfahrung der einstigen weltanschaulichen Gegner, die als politische Häftlinge im KZ Dachau einsaßen.

"dachaureif" lautete nach dem "Anschluss" eine Kategorie im Bewertungsbogen der Gestapo zur Beurteilung von 444 Gendarmen des Landes Salzburg "während der Kampfzeit der NSDAP". Diese Bewertung erfolgte in Form einer namentlichen Auflistung der Gendarmen mit personenbezogenen Daten sowie Informationen zu deren Dienststelle und Dienstgrad sowie zu deren politischer und persönlicher Einstellung.

"Gesinnungsschwein"

Als positive Attribute wurden u. a. angeführt: "korrekt", "nicht gehässig", "keine Übergriffe" (d.h. auf illegale Nationalsozialisten vor dem "Anschluss"), "anständig und charaktervoll", "gewissenhaft". Negative Attribute waren u.a.: "dienstlich schwach", "unfähig", "in nationalen Kreisen nicht geachtet", "Drückeberger", "Deutschenhasser", "Gesinnungsschwein", "pensionsreif", "unkameradschaftlich", "moralisch und geistig minderwertig", "Jesuit", "wird von Gestapo bereits behandelt" - und: "dachaureif".