London. (est) Das zentralchinesische Mausoleum Qín Shihuángdìs ist eine der größten frühchinesischen Grabanlagen. Der erste chinesische Kaiser wurde 210 vor Christus hier beigesetzt. Der Grabbau ist für seine großen Soldatenfiguren bekannt. Die knapp 8000 Figuren der "Terrakotta-Armee" sind kunstvoll bemalt und mit Speeren, Lanzen, Haken, Schwertern, Bögen und rund 40.000 Pfeilspitzen aus Bronze ausgestattet. Obwohl die Holzkomponenten dieser Waffen in den vergangenen 2000 Jahren zumeist verrottet sind, sind die Komponenten aus Bronze nahezu makellos erhalten. Ein Rätsel.

Seit den Ausgrabungen in den 1970er Jahren gehen Archäologen davon aus, dass die Waffenschmiede der Qín-Dynastie eine einzigartige Methode erfunden haben musste, die Metallkorrosion Einhalt gebietet. Spuren von Chrom auf den Bronzewaffen gaben Grund zu der Annahme, dass in China bereits vor 2000 Jahren Rostschutzmittel erfunden wurden. In Europa wurden Verfahren auf dieser Basis erst im 20. Jahrhundert patentiert.

So strahlend und scharf wie neu

Ein internationales Team berichtet in den "Scientific Reports", dass dem aber nicht so ist. Die Chromspuren seien keine Überreste frühchinesischer Hochtechnologie, sondern Verschmutzungen durch Lackreste von nebenstehenden, bemalten Figuren. Das Institut für Archäologie des University College in London unterbreitet, dass der exzellente Zustand der Bronzegegenstände auf den alkalinen pH-Wert, den niedrigen organischen Gehhalt und die geringe Partikelgröße des Bodens zurückzuführen sei.

"Manche Schwerter, Lanzen und Dolche glänzen nach 2000 Jahren unter der Erde fast wie neu, die Klingen sind immer noch scharf", sagt Ko-Autorin Xiuzhen Li in einer Aussendung. "Die Legierung enthält jedoch einen hohen Anteil an Zinn, und der Boden konserviert sie."