In Dien Bien Phu, einem unscheinbaren Ort im Nordwesten Nordvietnams an der Grenze zu Laos, umgeben von Hügeln, wollte Frankreich die Entscheidungsschlacht in dem seit acht Jahren andauernden Krieg gegen die kommunistischen Vietminh führen. Oberbefehlshaber war Colonel Christian Marie Ferdinand de La Croix de Castries. Die Opera- tion "Castor" begann Ende November 1953, als die ersten 2200 Soldaten mit Fallschirmen absprangen (für die meisten war dies der erste Absprung überhaupt).

In Dien Bien Phu lieferte Nordvietnams General Giap dann sein Meisterstück - mit chinesischer Hilfe. Er brachte Artillerie in Stellung, was die Franzosen für unmöglich gehalten hatten. Auf deren Flugblättern hieß es: "Worauf wartet ihr? Warum greift ihr nicht an, wenn ihr keine Feiglinge seid? Wir warten auf euch." Am 13. März 1954 griffen sie an. Giap hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 50.000 Mann Kampftruppen herangeführt mit 23.000 Mann Hilfstruppen (dan cong) und weiteren 23.000 Soldaten, die die Hauptverbindungslinie zur chinesischen Grenze offen hielten. Die Franzosen hatten etwa 14.000 Soldaten im Tal, darunter viele Fremdenlegionäre aus Deutschland und Österreich; ein Drittel der Truppe waren Vietnamesen.

Nach schweren Kämpfen fielen die Außenposten Béatrice und Gabrielle. Dien Bien Phu beherrschte die Schlagzeilen der Weltpresse. In den USA beteten Schulkinder für den Sieg der Franzosen gegen die Atheisten. Am 20. März war der französische Generalstabschef Paul Ely in Washington und bat um Hilfe. Würden die USA eingreifen? Der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, Admiral Arthur Radford, war dazu bereit und wollte in der Operation "Vulture" 60 B-29-Bomber, Jagdflugzeuge der 7. US-Flotte und auch taktische Atombomben einsetzen. Nathan Twining, der Chef der Luftwaffe, stimmte zu, während der Chef der Armee, General Matthew Ridgway, anderer Meinung war. Er erinnerte an Korea.

Seiner Meinung nach brauchte man Bodentruppen, und zwar sieben Divisionen plus Atombomben und zwölf Divisionen, falls China eingreifen sollte. Das war für ihn ein "falscher Krieg am falschen Platz". US-Präsident Eisenhower wollte, wenn überhaupt, zunächst die Zustimmung des Kongresses und eine Teilnahme Großbritanniens. Nur bei einer united action mit London war er bereit, über eine Intervention nachzudenken. Die britische Regierung lehnte jedoch am 25. April 1954 ab.

Premierminister Churchill fasste die Stimmung intern so zusammen: "Es ist nicht ratsam, Truppen einzusetzen, um die Lage im Dschungel in die Hand zu bekommen. Außerdem begreife ich nicht, warum wir für Frankreich in Indochina kämpfen sollen, wenn wir selber Indien aufgegeben haben. Ich hätte mit dem größten Vergnügen für England um Indien gekämpft. Malaysia kann, denke ich, auch gehalten werden, wenn Indochina verloren geht."