Maria Theresia Paradis (1759-1824). - © Archiv/Kolorierung: WZ
Maria Theresia Paradis (1759-1824). - © Archiv/Kolorierung: WZ

Ein Vorbild war und ist sie für Blinde, wie auch für Sehende: Heute ist Maria Theresia Paradis (1759-1824), die mit bedeutenden Vertretern der Wiener Klassik zusammentraf, hauptsächlich in Fachkreisen ein Begriff. Zu Lebzeiten weit über ihre Geburtsstadt Wien hinaus bekannt und bewundert, erinnert seit 1894 nur die Paradisgasse im 19. Wiener Gemeindebezirk an diese eindrucksvolle Persönlichkeit. Sie war nicht nur Interpretin, sondern komponierte auch. Die Koblenzer Musikwissenschafterin und Kirchenmusikerin Monika Fürst gibt in ihrer hervorragenden Biografie einen Einblick in Leben und Werk der blinden Wiener Tonkünstlerin. Fürst orientiert sich an den Primärquellen, weist in ihrer intensiven Recherche aber auch auf fehlerhafte Interpretationen anderer Musikologen hin.

Maria Theresia Paradis schrieb mehrere Opern und Singspiele, die mit beträchtlichem Erfolg an Wiener und Prager Bühnen aufgeführt wurden. Leider sind zahlreiche Partituren verloren gegangen. Im Haus-, Hof- und Staatsarchiv und in der Handschriftensammlung der Wienbibliothek befinden sich wichtige Quellen, etwa Paradis’ Pensionsakt, ihr Testament, Bittschriftenprotokolle und, als Hauptquelle, das sogenannte "Stammbuch" mit Aufzeichnungen, Briefen und Zeichnungen zwischen 1774 und 1821.

Förderungen

Maria Theresia Paradis wurde am 15. Mai 1759 in Wien geboren. Sie war die einzige Tochter des Wiener Hofbeamten Joseph Anton Paradis und seiner Gattin Rosalia Maria. Die Familie bewohnte zunächst das "Bockische Haus" in der Kärntnerstraße und übersiedelte später an den Franziskanerplatz. Im Alter von vier Jahren machten sich bei Maria Theresia Anzeichen einer Erblindung bemerkbar. Neben verschiedenen medizinischen Heilversuchen (darunter Elektrizität) der angesehensten Wiener Augenärzte, die fallweise zur Tortur ausarteten, ließ man ihr alle damals möglichen Förderungen und Lehrmittel zukommen. Neben plastischen Landkarten für den Geographie-Unterricht stand ihr für Mathematik eine tastbare Rechentafel zur Verfügung. Vater Paradis war darauf bedacht, das Gedächtnis seiner Tochter zu schärfen.

Das Alphabet lernte Maria Theresia durch Betasten erhabener Buchstaben, die sie anfänglich auch zum Schreiben verwendete. Fremdsprachen erlernte Paradis durch Zuhören. Später konstruierte ihr der geniale Architekt und Schriftsteller Wolfgang von Kempelen eine Druckmaschine mit beweglichem, dreidimensional tastbarem Letternsatz. Mit dieser Maschine konnte sie nun Briefe aufsetzen. Gedanken schriftlich äußern zu können, ermöglichte ihr ungeahnte Freiräume.