Die Kraft des Aufbruchs, die sich aus dem revolutionären Prozess des Jahres 1848 entwickelt hatte, war für die dringend geforderten Reformen im Bildungswesen von größter Bedeutung.

"Die Verbesserung des Unterrichtswesens ist ein tief gefühltes Bedürfnis; es ist endlich möglich geworden, sie mit Entschiedenheit zu beginnen." Aus diesen Worten sind Erleichterung und Entschlossenheit zu spüren, mit denen die im neuen "Ministerium des öffentlichen Schulwesens" für das Reformwerk Verantwortlichen ihre Arbeit aufnahmen. Von den zuständigen Ministern (für kurze Zeit der aus lombardischem Adel stammende Jurist Freiherr Franz von Sommaruga, dann länger als ein Jahrzehnt Leo Graf Thun-Hohenstein) maßgeblich unterstützt, konnte der leitende Referent Universitätsprofessor Franz Serafin Exner, einige Zeit gemeinsam mit dem Unterstaatssekretär Universitätsprofessor Ernst von Feuchtersleben, die grundlegenden Arbeiten durchführen.

Bereits im Juli 1848 lag der "Entwurf der Grundzüge des öffentlichen Unterrichtswesens in Österreich" vor. Die Gesamtdarstellung des Bildungswesens von der Elementarschule bis zur Universität, die Reihung der Problemfelder und knapp skizzierten Lösungsansätze machen diesen "Entwurf" zu einem auf die Zukunft der Jugend orientierten Bildungsprogramm.

Einfluss der Kirche

Die Veröffentlichung in der "Wiener Zeitung" ermöglichte eine allgemeine Diskussion über die Projekte des Entwurfes. Für die Universitäten sowie die Gymnasien und Realschulen wurden erste konkrete Schritte der Umsetzung vorbereitet, die im Studienjahr 1849/50 wirksam werden sollten.

Die Schaffung neuer Institute und Fakultäten, die Berufung neuer Professoren und eine bessere Gliederung der Studienordnungen können für den Universitätsbereich angemerkt werden; in den Gymnasien wird die Übernahme der siebenten und achten Klassen aus den philosophischen Lehrgängen und die Einführung der Maturitätsprüfung als besonders wichtig bezeichnet.

Für die Volksschule wurde vorerst nur eine allgemeine, dennoch neue, in die Zukunft weisende Formulierung gefunden. "Im System des öffentlichen Unterrichts bilden die Volksschulen das erste und zugleich wichtigste Glied; sie haben diejenige Summe von Kenntnissen und Fertigkeiten zu lehren, welche künftig keinem Staatsbürger mangeln soll."

Das war ein erster Weg der Erneuerung - und Stillstand zugleich. Die Kirche verstand sich als "Mutter der Volksschule"; die Liberalen als Hauptgruppe der Kirchengegner wollten Schritt für Schritt den Einflussbereich der Kirche schmälern und schließlich die Schule zur Gänze aus diesem befreien.