Queen Victoria im Jahr 1887. - © Getty Images/Hulton Archive
Queen Victoria im Jahr 1887. - © Getty Images/Hulton Archive

An jenem Tag, als Victoria vom Tod ihres Onkels William erfuhr, und es somit gewiss war, dass sie in der Folge Großbritannien zu repräsentieren hatte, notierte sie in ihr Tagebuch: "Da es der Vorsehung gefallen hat, mich an diesen Ort zu stellen, will ich mein Äußerstes geben, um meine Pflicht für mein Land zu erfüllen. Ich bin sehr jung und vielleicht in vielen, aber nicht in allen Dingen unerfahren; doch bin ich sicher, dass nur wenige wirklich mehr guten Willen und wirklich mehr Verlangen haben, das zu tun, was gut und richtig ist, als ich."

Zu diesem Zeitpunkt, man schrieb den 20. Juni 1837, hatte Victoria gerade ihre Volljährigkeit erreicht und es ist bemerkenswert, mit welcher Festigkeit sie ihrer Bestimmung entgegensah. Blickt man die Zeitspanne ihrer Lebensjahre zurück, in die Regierungszeit von George IV. (1820 bis 1830) und William IV. (1830 bis 1837) - zwei der Söhne von George III. (1760 bis 1820) -, so begegnen einem zwei Monarchen, die mit wenig Vorbildpotenzial ausgestattet waren. Denn der eine war überaus verschwenderisch und der ihm nachfolgende tendenziell vulgär, wenn auch genügsamer. Eventuell war Victoria von diesem Wissen begleitet, als sie 1832, nachdem ihr erstmals der wahrscheinliche Verlauf ihres Daseins nahegelegt worden war, schlicht gesagt haben soll, sie wolle gut sein.

Anmutige Ordnung

Geboren am 24. Mai 1819 im Kensington Palast, fand Victoria ein zwar prächtiges, aber bald umwölktes Elternhaus vor, da Anfang 1820 ihr Vater, Edward (der vierte Sohn von George III.), verstorben war. Folglich umkreist von dessen Nachlassverwalter John Conroy, der Mutter (Victoire von Sachsen-Coburg-Saalfeld), deren Tochter Feodora aus erster Ehe, Onkel Leopold als Ersatzvater, der Gouvernante Louise Lehzen und separiert von gleichaltrigen Gefährten, wuchs Victoria eingebettet in die buhlenden Interessen der sie Umgebenden auf (selbst ihr Nachtlager stand im Schlafzimmer der Mutter) und hatte kaum Freiräume für sich.

So war das erste Anliegen, das sie als Königin ihrer Mutter gegenüber äußerte, eine Stunde allein sein zu wollen. Danach verfügte sie die Auflösung des gemeinsamen Schlafzimmers und die Einrichtung unabhängiger Räume. Dieser Emanzipationsakt, so demoralisierend er für die auf königliches Mitwirken hoffende Mutter gewesen sein mag, bedeutete für Victoria das Ende einer ihr längst schon unliebsam gewesenen Enge.

In deklarierter Selbstbestimmung dann, widmete sie sich, zunächst angeleitet von Premierminister Melbourne, ihren neuen Aufgaben, beeindruckte durch ihr Auftreten wie ihre Verfassung, saß in gerader Haltung den Sitzungen vor und folgte ihrem Bewegungsbedarf, indem sie ausritt und tanzen ging. Onkel Leopold, der an jedem ihrer Schritte vorauseilenden Anteil nahm, hatte sich vor Jahren schon nach einem Prinzgemahl umgesehen und seinen Neffen Albert von Sachsen-Coburg und Gotha ins Feld geführt.