Speziell durch "Fidelio" werden wir auf den Beginn der Geschichte des Hauses zurückverwiesen, die eineinhalb Jahrhunderte davor ansetzt: Der Kompositionsauftrag an Beethoven erging vom kaiserlichen Hofsekretär Peter Gottlieb Freiherr von Braun, der damals das Theater an der Wien leitete. 1805 wurde "Fidelio oder Die eheliche Liebe", wie die Erstfassung der Oper hieß, dort uraufgeführt. Unter Brauns Ägide fielen ab 1794 auch die zwei spartengemischten Hof-Bühnen, das Hofburg- und das Kärntnertor- theater. In Letzterem fand am 23. Mai 1814 die Premiere der letztgültigen, zweiaktigen Fassung unter dem Titel "Fidelio" statt.

Die beiden kaiserlichen Theater wurden 1807 von einer der "Kavaliersgesellschaften" übernommen, der "Hoftheater-Unternehmungsgesellschaft". Diese ließ beiden Bühnen finanzielle Unterstützung zufließen, bis es zu Begebenheiten von durchaus zeitlosem Charakter kam, wie ein "Handbillett" von Kaiser Franz I. belegt: Innerhalb des Damen-Ensembles nahmen bestimmte Affairen "zum Skandal des Publikums überhand", wobei "die vorzüglichsten Beförderer dieses Unwesens einige Kavaliere von der Theaterdirektion sein sollen".

Kurz darauf enthob man die Mäzene ihrer Funktionen und Aufgaben, womit die eigentliche Geschichte der Wiener Hofoper beginnt: Durch die Neupositionierung - heute würde man von "Rebranding" sprechen - beider Häuser avancierte das Hofburgtheater am Michaelerplatz 1810 zur Spielstätte des Sprechtheaters, das Hofoperntheater am Kärntnertor zu jener für Oper und Ballett.

In der Führungsetage des Opernhauses trat zu Beginn eine Person verstärkt in Erscheinung: Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz, dessen großzügiges Mäzenatentum, speziell für Beethoven, ihn letztlich in den Ruin trieb. Sein Schicksal wird innerhalb der Geschichte der Hofoper noch überboten: Der unglückliche, durch den verheerenden Brand des Wiener Ringtheaters 1881 in die Theatergeschichte eingegangene Franz Jauner leitete von 1875 bis 1880 auch die Wiener Hofoper, mit wechselndem geschäftlichem Geschick. Nach Ausbleiben des finanziellen Erfolgs seines letzten Hauses, des Carltheaters in der Leopoldstadt, beging Jauner am 23. Februar 1900 Suizid.

"Rossini-Taumel"

Abseits dieser Tragödien hat die Geschichte des Wiener Hofoperntheaters durchaus viele positive Momente vorzuweisen. Dieser wird gegenwärtig in wesentlichen Räumen des Hauses gedacht: Die Konterfeis sämtlicher Direktoren bis zur Gegenwart sind im Gustav- Mahler- und im Marmorsaal räumlich über den Höhepunkten der jeweiligen Ära platziert.

Mit dem "Rossini-Taumel" ab 1816 hat die Begeisterung für die Oper das Wien des 19. Jahrhunderts erfasst, der die Ausmaße des Kärntnertor-Theaters bald nicht mehr gerecht werden konnten. Der Auftrag für den Bau eines neuen Opernhauses erging an Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg. Die geplante Bauzeit wurde freilich überschritten, nicht zuletzt aufgrund überhasteter "Wiener Schlamperei": Straßen und Plätze rund um den Neubau mussten um mehr als einen Meter abgegraben werden, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Obendrein verringerte der Heinrichshof auf der gegenüberliegenden Seite der neuen Ringstraße die Möglichkeit für repräsentative Platzgestaltung. Auch das Operngebäude selbst stieß bei nicht wenigen Wienern auf Ablehnung: "Sicardsburg und Van der Nüll / Die haben kanen rechten Stül / Ob Gotik, ob Renaissans / Das ist den Herrn alles ans."