Am 18. Jänner 1919 begann in Versailles die Konferenz, die der Welt den Frieden bringen sollte. Frankreich führte Regie. Nichts wurde dem Zufall überlassen. Unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Georges Clemenceau, der von sich selbst sagte, er hasse Deutschland "abgrundtief für das, was es Frankreich angetan" habe, war alles voller Symbolik.

Clemenceau galt als der "Tiger" der französischen Politik; er war ein fähiger, aber zynischer und enttäuschter alter Mann, Jahrgang 1841, der Deutschland vernichten wollte. Ort und Eröffnungsdatum der Konferenz waren auch nicht zufällig von ihm gewählt worden: Die Beratungen der Siegermächte - Vertreter der besiegten Staaten waren nicht zugelassen - begannen an jenem Tag, an dem Wilhelm I. 1871 im Spiegelsaal von Versailles - während der Belagerung von Paris - zum Deutschen Kaiser ausgerufen und das Deutsche Kaiserreich gegründet worden war. In seiner Eröffnungsrede wies Frankreichs Staatspräsident Raymond Poincaré denn auch auf dieses Ereignis hin. Das Deutsche Reich sei "in Ungerechtigkeit geboren" und in "Schmach geendet". Es gehe jetzt darum, "das Übel gutzumachen, das es angerichtet hat, und um seine Wiederkehr zu verhüten".

Verantwortlich dafür waren in erster Linie die "Großen Vier": Clemenceau, US-Präsident Woodrow Wilson, Großbritanniens Premierminister Lloyd George und Italiens Ministerpräsident Vittorio Orlando. Ihnen standen hunderte von Experten zur Seite: die Briten hatten 400 mitgebracht, Wilson gar 1300. Wilson war ein Idealist, Lloyd George ein Egoist und Demagoge, der die Wahlen in England mit den Worten "an den Galgen mit dem Kaiser" und "Deutschland muss zahlen" gewonnen hatte, Orlando war ein Exponent des "sacro egoismo", entschlossen, soviel Gewinn wie möglich für Italien aus den Verhandlungen herauszuholen. Die Vier wollten zwar den Frieden organisieren, scheiterten aber am Ende allesamt.

Völkerbund

Wilsons großes Ziel war die Schaffung des Völkerbundes, mit dem zukünftige Kriege verhindert werden sollten. Dem ordnete er - fast - alles unter, auch das von ihm proklamierte Recht auf Selbstbestimmung, und war dann bei den Forderungen der übrigen drei zu Kompromissen bereit. Am 28. April stimmte die Konferenz dann auf ihrer 5. Vollsitzung einstimmig für die Errichtung des Völkerbundes. Dies war Wilsons einziger und größter Erfolg in Paris. Am 29. April traf die deutsche Delegation unter Leitung des parteilosen Außenministers Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau in einem Sonderzug in Versailles ein.