Der Sudan, der bis zur Unabhängigkeit des Südsudan am 9. Juli 2011 der flächenmäßig größte afrikanische Staat war, galt für die Erforschung des Kontinents im 19. Jahrhundert als Eingangstor in das östliche Zentralafrika, als direkter Weg in das dunkelste Afrika und in das Hochland von Abessinien. Da ist es schon bemerkenswert, dass die ersten bedeutenden Entdecker, die im Sudan tätig waren, aus Altösterreich kamen. Noch bemerkenswerter aber ist es, dass diese Entdecker nicht, wie etwa die Forschungsreisenden aus Großbritannien, Militärs, Spione oder Politiker waren, sondern Missionare, Wissenschafter oder Geschäftsleute.

Einer der ersten bedeutenden von ihnen, der durch seine Forschungen das Tor in das östliche Zentralafrika geöffnet hat, war der slowenische Missionar Ignaz Knoblecher. Dieser war 1850 weiter als je ein Europäer zuvor in den Süden des Sudan vorgestoßen und galt als der beste Kenner des Nil.

Vor 200 Jahren, am 6. Juli 1819, in St. Kanzian (Skocjan) als Sohn einfacher Bauern geboren, fasste Ignaz Knoblecher früh den Entschluss, Missionar zu werden und studierte schon als Gymnasiast intensiv fremde Sprachen. Kaum ein Jahr im Priester-Seminar in Laibach, schrieb er dem Nuntius am k.k. Hof in Wien von seinem Herzenswunsch, bei der "Congregatio de Propaganda Fide" (Kongregation für die Verbreitung des Glaubens) in Rom studieren zu können. Diese war 1622 von Papst Gregor XV. mit der Aufgabe gegründet worden, der Ausbreitung des Protestantismus entgegenzuwirken. Zur Zeit Knoblechers war diese nunmehr die Zentralbehörde des Vatikans, welche die missionarische Tätigkeit in Amerika, Asien und Afrika koordinierte.

Ermuntert vom Nuntius, verließ Knoblecher 1841 Laibach und wanderte nach Rom. Die Aufnahme in der "Propaganda" wurde ihm jedoch verweigert, nur der Besuch der Jesuiten-Kollegien und Sprachstudien war ihm gestattet. Aber den jungen Mann ließ seine Begeisterung, Missionar zu werden, nicht los. "Oft ist es geschehen", schreibt er, "dass ich eine Woche, auch ganze vierzehn Tage keine warmen Speisen genossen und Brot und Wein fast meine ganze Nahrung ausmachten; dennoch bin ich viel lebhafter als ich es in Krain gewesen, habe eine blühendere Gesichtsfarbe und fühle mich stärker als je."

1843 wurde er als Zögling aufgenommen und erhielt 1845 die Priesterweihe. Nun kam aber eine Zeit der schwankenden Bestimmungen und Änderungen. Kaum für Hindustan (dem heutigen Indien) bestellt, sollte er nach Stockholm geschickt werden. Bereits reisefertig, wurde er "für drei eben so interessante als von einander weit entfernte Missionen" vorgeschlagen: Australien, Hindustan und Persien.