Während er die persische Grammatik studierte, sollte er plötzlich in Rom bleiben und das Vize-Rektorat in einem neuen Kollegium übernehmen. Das war "seine härteste Probe". Er bat, man möge diese hohe Auszeichnung doch einem anderen zuwenden. Als 1845 die Sahara mit Innerafrika bis Abessinien zu einem neuen apostolischen Vikariat erklärt wurde, konnte Knoblecher diese Aufgabe mit übernehmen, die darin bestand, die noch animistischen Völker des Südens zu christianisieren und den Sklavenhandel zu verhindern.

Die Missionsstation in Khartum um 1870. - © Richard Bucht
Die Missionsstation in Khartum um 1870.
- © Richard Bucht

Er verließ 1846 Rom, reiste über den Libanon und Syrien nach Kairo und traf im Februar 1848 in Khartum ein. Dieses war 1823 als Hauptstadt des ägyptischen Sudan am Zusammenfluss des Weißen mit dem Blauen Nil gegründet worden, hatte damals rund 25.000 Einwohner und sollte nun der Hauptsitz der Mission in Zentralafrika werden.

Umschlagplatz Khartum

Die Wahl Khartums war nicht zufällig erfolgt, denn gerade hier hatte der Sklavenhandel aus dem Inneren Afrikas seinen größten Umschlagplatz. Türkische wie auch europäische Händler beteiligten sich daran, Kinder zu rauben, indem sie von Bord der Schiffe Glasperlen ans Ufer warfen, wodurch die Kinder herbeigelockt und dann gewaltsam entführt wurden. Die Glasperlen, deren Produktion zum größten Teil in österreichischer Hand war, galten in der Region als Zahlungsmittel.

Knoblecher konnte ein Grundstück am Blauen Nil erwerben, wo die Missionare Unterkunft, Kapelle und Schule errichteten, doch damit waren die finanziellen Mittel erschöpft. Von Rom, das infolge der Revolution 1848 wie auch die Habsburgermonarchie in Bedrängnis geraten war, konnten sie nichts mehr erwarten. Den Missionaren wurde die Erlaubnis zur Heimkehr erteilt. Doch Knoblecher gab nicht auf. Bis aus seiner Heimatdiözese Geldspenden eintrafen, überlebten die Missionare durch den Anbau und Verkauf von Gemüse.

Dann konnte sich Knoblecher dem eigentlichen Zweck seines Aufenthaltes zuwenden: der Gründung von Missionsstationen am Oberlauf des Weißen Nil. Er mietete einen Segler und schloss sich einer der Handelsexpeditionen an, die bei den alljährlichen Nordwinden im November in den Süden unternommen wurden, um Elefantenzähne und Waren einzukaufen.

Knoblecher beschreibt in seinem Manuskript "Reise auf dem weißen Nil", das, von V. F. Klun bearbeitet, bereits 1853 in Laibach veröffentlicht wurde und auch heute noch lesenswert ist, diese Fahrt sehr detailliert. Sie führt ihn in das Reich der Dinka und Schilluk, deren schöne Felder er bewundert, in das Gebiet der Nuer und zu den Siedlungen der Bari. Das Bari-Land war als Tor zum Ostafrikanischen Seenhochland, den Königreichen im heutigen Uganda und dem Kongobecken von größter handelspolitischer Bedeutung.

Die Händler versuchten deshalb mit allen Mitteln dort den Aufbau von Missionsstationen zu verhindern, um ihre Geschäfte, vor allem aber den Sklavenhandel, ungestört durchführen zu können. Knoblecher wurde klar, dass er nur ohne diese Händler und Soldaten der ägyptischen Verwaltung, deren Grausamkeiten er miterleben musste und beschrieb, und nur mit eigener Segelbarke als selbstständige Expedition Kontakt mit der Bevölkerung gewinnen werde können. "Wie bald würden die sogenannten wilden Neger anders werden", schreibt er, "wenn sie menschlich behandelt würden."