"Gödel war der Einzige, der mit Einstein auf Augenhöhe verkehrte." So beschrieb der britisch-amerikanische Physiker Freeman Dyson die Lage am Institute for Advanced Study in Princeton in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Albert Einstein war damals schon längst eine Legende. Der in Brünn geborene Kurt Gödel war um 27 Jahre jünger und außerhalb von Fachkreisen gänzlich unbekannt.

Unter Experten freilich galt Gödel bereits als "Entdecker der bedeutsamsten mathematischen Erkenntnis des Jahrhunderts" (laut Urkunde seines Ehrendoktorats der Universität Harvard) und als "der größte Logiker seit Aristoteles" (in den Worten Einsteins). Tagtäglich gingen die beiden Emigranten im schönen Wald hinter dem Institut spazieren, lebhaft plaudernd, und niemand wagte zu stören. "Warum wohl Einstein an den Gesprächen mit mir Gefallen fand?", fragte sich Gödel später. Er selbst vermutete, dass es daran lag, dass er häufig entgegengesetzter Ansicht war und keinen Hehl daraus machte.

Kurt Gödel war Logiker, Mathematiker, Philosoph - und obendrein ein hervorragender Physiker. Tatsächlich wählte er zunächst das Fach Physik, als er 1924 in Wien zu studieren begann, und schwenkte erst später, unter dem Einfluss des Wiener Kreises, zum Grenzbereich zwischen Mathematik und Philosophie hinüber. 1940 emigrierte er mit seiner Frau Adele Nimburskyin die USA. Seine physikalischen Interessen vergaß er nie. Als er einige Jahre später aufgefordert wurde, für einen Festband über Albert Einstein etwas Philosophisches über Kant und die Relativitätstheorie zu verfassen - an und für sich eine Routineaufgabe -, da vertiefte er sich mit der ihm eigenen Genauigkeit in die mathematischen Grundlagen der allgemeinen Relativitätstheorie.

Sich selbst etwas antun

Die allgemeine Relativitätstheorie war während des Ersten Weltkriegs von Albert Einstein geschaffen worden. Sie beruhte auf einer einfachen Beobachtung, dass nämlich die schwere und die träge Masse eines Körpers gleich groß sind. (Die träge Masse ist ein Maß dafür, wie sehr sich ein Körper einer Bewegungsänderung widersetzt, die schwere Masse gibt an, wie schwer Gravitation auf ihn wirkt.) Daraus folgerte Einstein sein Äquivalenzprinzip: Schwerkraft und Trägheitskraft müssen ein und dasselbe sein.

Von diesem philosophischen Postulat zu einer physikalischen Theorie führte ein dornenvoller Weg: Die mathematischen Formeln - die Einsteinschen Feldgleichungen - sind ungemein anspruchsvoll, die physikalischen Folgerungen - eine Abweichung vom klassischen Weltbild Isaac Newtons zur Schwerkraft und Mechanik - kaum messbar. Zunächst konnte Einstein nur auf eine Anomalie in der Umlaufbahn des Planeten Merkur verweisen.