Er hätte als derjenige in die Geschichte eingehen können, der den Errungenschaften der Französischen Revolution Dauer verliehen und als Erster Konsul die Staatsform Republik konsolidiert hat. Er hätte als großer Gesetzgeber berühmt werden können - und nicht zuletzt als Militärgenie. Warum konnte er nicht akzeptieren, dass Frankreich die Seeschlachten verloren hatte? Warum musste er Kaiser werden? Die Bilanz seiner Herrschaft ist zwiespältig. Schon zu seinen Lebzeiten wurde er gleichermaßen glorifiziert und verteufelt.

1769, die Republik Genua hatte Korsika gerade an Frankreich verkauft, wurde Napoleon als zweiter Sohn in einer Familie des italienischen Küstenadels geboren. Er war das Leben in einem patriarchalischen Familienclan gewohnt. Der junge Bonaparte wurde nach Nordfrankreich auf die Militärschule geschickt - der Korse blieb allerdings ein Einzelgänger, der Rousseau las und in Mathematik brillierte. Ein schmächtiger junger Mann mit unbeugsamem Durchsetzungswillen und Feuer in den Augen. Die Revolution 1789 wurde seine Chance.

Unter dem Druck der Invasion der gegenrevolutionären Mächte erzwingen die Bürger in Paris 1792 die Wahl des "Nationalkonvents" nach gleichem Wahlrecht (außer für Frauen und Dienstboten), und der verurteilt Ludwig XVI. zum Tode.

Napoleon begeistert die Soldaten des Konvents vor der von den Engländern besetzten Festung Toulon und führt die Eroberung an. Paris ernennt den 24-Jährigen zum General, aber nach dem Sturz von Robespierre am 9. Thermidor (27. Juni 1794) verliert er seine Stellung. Allerdings wählt der Befehlshaber der Konventsarmee, Barras, schon im Oktober Napoleon zum Adjutanten, der den Aufstand der Vorstädte niederschlägt.

Sieg über Habsburger

Die Herrschaft der nunmehr durch Zensus definierten Wählerschaft ist seine Sache, und er steht auch auf der Seite der Direktoren bei deren Staatsstreich gegen das Parlament. Das Direktorium weist sowohl die Forderungen nach sozialer Gleichheit als auch nach Restitution der Monarchie ab, aber es braucht Erfolge.

Napoleon, jetzt 25 Jahre, soll die Habsburger besiegen - er bekommt nur eine kleine Armee, beginnt jedoch mit großen Worten: "Völker Italiens! Die französische Armee kommt, eure Ketten zu sprengen (. . .)" Im Mai 1794 werden die Österreicher mit schnellen und kühnen Märschen niedergeworfen. Napoleon begeistert seine Soldaten, die am Tag über 40 Kilometer mit Gepäck laufen, um sich in das nächste Gefecht zu stürzen; zum Schluss erobern die Franzosen sogar Artillerie und Nachschub des Feindes. Die Österreicher verlieren Italien, ja selbst Tirol.