Wien. Der verheerende Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame im April hat die Frage nach dem Brandschutz in historischen Bauten aufgeworfen. Vor ähnlichen Problemen stand man im Mittelalter nach dem Brand des Dachstuhls im Wiener Stephansdom. Als Brandschutz wurden etwa große Wasserbottiche im Dach aufgestellt, berichtet Barbara Schedl vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien anhand alter Rechnungen. Schedl hat sich in zwei Projekten des Wissenschaftsfonds FWF mit Schriftquellen zum Stephansdom befasst. Die Bandbreite reicht von Baurechnungen, über Ablassbriefe bis hin zu Testamenten und Kirchmeisterrechnungen, also den Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen der Kirchmeister.

Wasserbottich am Dach

In den Kirchmeisterrechnungen fand Schedl Hinweise auf Brandschutzmaßnahmen: "Wir haben viele Eintragungen über das Entleeren, Befüllen und Flicken von Wasserbottichen gefunden. Diese wurden im Mittelalter im Dach aufgestellt, damit man im Brandfall schnell Löschwasser hat", erklärt die Forscherin, die als erste die Kirchmeisterrechnungen analysiert hat. Ihre Quellen liefern Erkenntnisse zur Baugeschichte, die mitunter von Sparsamkeit geprägt war. Vom Vorgängerbau wurde offensichtlich alles wiederverwertet, scheinen doch in den Kirchmeisterrechnungen keine Kosten vom Abtransport von Baumaterial auf. Es finden sich auch Hinweise auf freiwillig geleistete Beiträge. "Im Testament einer armen Witwe konnte ich entziffern, dass sie der Stephanskirche ihr Bettzeug und einen alten Mantel vermachte, deren Verkauf ein paar Pfennige in die Kirchenkasse brachte."

Der schwerwiegendste Brand in der frühen Baugeschichte des Stephansdoms war jener von 1258, bei dem der Holzdachstuhl und und die Heidentürme beschädigt wurden. Im Juni 1449 wurde der Südturm vom Blitz getroffen und brannte aus.