Die österreichische Delegation um Dr. Karl Renner trifft in Saint Germain ein. - © Agence Rol. Agence photographique
Die österreichische Delegation um Dr. Karl Renner trifft in Saint Germain ein. - © Agence Rol. Agence photographique

Die Beteiligung am Ersten Weltkrieg und der alliierte Sieg 1918 ermöglichten den politischen Aufstieg der USA zur Weltmacht und den Durchbruch des amerikanischen Imperialismus, dem durch eine kurzfristige kriegsproduktionsbedingte Konjunktur und mit dem Friedensschluss eine Depression mit einer zwölfprozentigen Arbeitslosigkeit folgte. Die Krise war ab dem Zeitpunkt erkennbar, als Märkte für expansiven Absatz fehlten. Gedrängt von ihren Bürgern in der Tradition privater Eigeninitiative und ökonomischer Selbstständigkeit, gelang der US-Industrie in den 1920er Jahren der Übergang von einer quantitativen zu einer qualitativen Expansion.

Die Industrie erreichte ein neues Niveau der Fertigung großer Mengen von Waren - Produktion am laufenden Band, symbolisiert durch den Namen Henry Ford. Doch auch diese neue qualitative Expansion stieß nach einer beispiellosen, aber kurzen Konjunktur an eine innere Grenze. Es gab keinen Absatz mehr. So wurden die USA mit dem Zusammenbruch der New Yorker Stock Exchange auch Ausgangsland der Weltwirtschaftskrise nach dem sogenannten Schwarzen Freitag, dem 24. Oktober 1929.

Weder war der Oktober 1917 das Signal zur Weltrevolution, noch gelang es den kapitalistischen Weltmächten durch ihren Interventionskrieg 1918-1920 gegen die Bolschewiki und Trotzkis Rote Armee, die "konterrevolutionären" Kräfte hinreichend zu unterstützen und die kommunistische Revolution rückgängig zu machen. Am Scheitern der westlichen Militärintervention wurde deutlich, dass Russland bei aller wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Westen nicht bloß eine östliche Peripheriemacht, sondern eine politische Großmacht war. In dieser Rolle wurden den Nationalbewegungen an der Westgrenze zwar Konzessionen gemacht, der Kern des russischen Potentials blieb jedoch in der Hand der Bolschewiki.

Der russische Bürgerkrieg war mit aller Härte gegen die Zivilbevölkerung geführt worden. Kannibalismus und Verwüstungen prägten das Bild. Dieser von innen und außen geführte Krieg hatte mehreren Millionen Menschen das Leben gekostet. Das Eingreifen der Entente und anderer Mächte trug noch maßgeblich zur Verschärfung und Verlängerung des Bürgerkriegs 1918-20 bei: Amerikanische, finnische, französische, italienische, japanische, polnische, serbische sowie tschechische Einheiten hatten im Kampf gegen die Bolschewiki interveniert und vergeblich auf der Seite der zarentreuen "Weißen" gekämpft.

Der Sieg der revolutionären "Roten" und das Ausbleiben bzw. Scheitern sozialistischer Revolutionen im Westen Europas 1919/20 versetzten die KPdSU in eine Lage, in der sie nicht mehr auf die solidarische Kooperation mit dem Proletariat eines fortgeschrittenen Landes hoffen konnte. Es ging für Stalin nur mehr um einen "Sozialismus in einem Lande" unter Zurückstellung der Weltrevolution. Partei und staatliche Bürokratie machten sich nun selbst zum historischen Subjekt der drängenden nationalen Aufgaben, insbesondere der nachzuholenden Industrialisierung, die mit Brutalität und Gewalt forciert wurde.

Japan und China

Nachdem sich die Streitkräfte Japans in den Kriegen gegen China 1894/95, Russland 1904/05 und das Deutsche Reich 1914/18 hatten durchsetzen können, rückte der befohlene ergebnislose Abbruch der Sibirien-Intervention in die Nähe einer militärischen Niederlage. In Verbindung mit ihrem Scheitern standen die für Japan nachteiligen Ergebnisse der Washingtoner Flottenkonferenz, die die anglo-japanische Allianz beendeten, Obergrenzen für Kriegsschiffstonnagen und gegenüber China eine Politik der offenen Tür festschrieben sowie die Zurückweisung des "Racial Equality"-Vorschlags zur Folge hatten, den die japanische Delegation auf der Pariser Friedenskonferenz eingebracht hatte.