John Kenneth Galbraith sprach vom "Vater aller Krisen": Am Donnerstag, den 24. Oktober - nach europäischer Zeitrechnung der "Schwarze Freitag" -, ereignete sich der bisher folgenreichste Börsensturz der Weltgeschichte. Einen Black Friday hatte es zwar schon am 24. September 1869 in den USA gegeben. Der eigentlich größere Schreckenstag war aber der 29. Oktober 1929, ein "Schwarzer Dienstag", als in der ersten halben Stunde des Börsenhandelstages eine Verkaufswelle von über drei Millionen Aktien einsetzte.

Hinter dem Einsturz stand eine gigantische Spekulationsblase, getragen von der Annahme sich stets steigernden Wohlstands im Zeichen der "goldenen Zwanziger", wie ihn US-Präsident Herbert Hoover prophezeit hatte. Die Fließbandproduktion, assoziiert mit Henry Ford, lief auf Hochtouren. Unzählige Fonds und neue Investmentbanken wie die schillernde Goldman Sachs waren börsenfähig geworden.

Die Aktie der Radio Cooperation of America (RCA) wuchs von fünf auf 500 US-Dollar. Der Lebensstandard der Bürger lag deutlich über ihren Einkommen. Man lebte nicht nur auf Pump, sondern pokerte auch noch hoch: Aktienkäufe erfolgten durch Firmen, Klein- wie Großanleger millionenfach auf Kreditbasis mit hohem Fremdkapital - in der Erwartung, die Schulden damit begleichen zu können.

Firmenbankrotte, Massenentlassungen, Konsumeinbrüche

Eine Börsenaufsicht gab es nicht. Zivil- und strafrechtliche Sanktionen sowie börsentechnische Vorkehrungen gegen Überspekulation waren nicht vorgesehen. Als der Dow Jones bis Mitte Oktober 1929 spürbar zurückging, kam Nervosität auf. Eine Verkaufspanik folgte. Massive Stützungskäufe durch Banken und Investmentfonds wurden notwendig. Die von der Federal Reserve verordnete Geldverknappung führte zur Eskalation der Lage. Beschwichtigungsversuche bewirkten nur mehr das Gegenteil: Die Kurse brachen ein und Kredite erhielten keine Deckung mehr.

Bankhäuser forderten ihr Geld zurück und zwangen Wertpapierinhaber, ihre als Sicherheit angelegten Aktien zu verkaufen, was ihre Verschuldung erhöhte. Firmenbankrotte, Massenentlassungen und Konsumeinbrüche folgten. Zwischen 1930 und 1933 gingen in den USA rund 5000 Banken pleite. Die Verhängung von Importzöllen und die Rücknahme kurzfristig angelegter Kredite für Schuldner in Europa (Reparationszahler Deutschland sowie -forderer Frankreich und Großbritannien) lösten Bankenzusammenbrüche am Kontinent aus.

Präsident Franklin D. Roosevelt initiierte den "New Deal" nach Maßgabe des britischen Ökonomen John Maynard Keynes. Kurzfristige Notmaßnahmen zur Überwindung der Armut und Massenarbeitslosigkeit, Wiederbelebungsversuche der Wirtschaft durch öffentliche Ausschreibungen und Reformen durch Änderung der Geldpolitik wie die Regulierung der Finanzmärkte und die Einführung von Sozialversicherungen sollten Abhilfe schaffen.