Im März 1931 prophezeite Somary, dass drei Ereignisse eintreten müssten, bevor es zu einer Aufwärtsbewegung der Weltwirtschaft kommen könne: Erstens müsse das Bankwesen in Wien und Berlin durch eine Krise saniert werden, zweitens das englische Pfund sich vom Goldstandard lösen und drittens der Zündholzkonzern Ivar Kreugers zusammenbrechen.

Bis zur Erfüllung des ersten Punktes dauerte es nicht lange. Mitte Mai 1931 war die größte Bank Mitteleuropas, die österreichische Creditanstalt, nicht mehr in der Lage, ihre Verbindlichkeiten zu erfüllen. Die Panik sprang sogleich auf Deutschland über und löste dort eine unvorstellbare Bankenkrise aus. Im Gefolge dieser Entwicklung, die das gesamte internationale Finanzsystem in den Grundfesten erschütterte, blieb Großbritannien nichts anderes übrig, als im September 1931 vom geheiligten Goldstandard abzugehen und das Pfund Sterling abzuwerten. Auch der zweite Punkt von Somarys Vorhersage war somit überraschend schnell in Erfüllung gegangen.

Was aber hatte es mit dem schwedischen "Match King" und seiner besonderen Bedeutung für das internationale Finanzsystem auf sich? Ivar Kreuger, Besitzer eines Zündholzkonzerns, hatte nach dem Krieg damit begonnen, Kredite an Staaten zu vermitteln und sich als Gegenleistung die jeweiligen staatlichen Zündholzmonopole zu sichern. Anfang der 1930er Jahre beherrschte sein Konzern rund drei Viertel des Weltmarktes und kontrollierte darüber hinaus noch mehr als 300 verschiedene Firmen. Ivar Kreuger galt als einer der mächtigsten Tycoons seiner Zeit.

Freilich, die Weltwirtschaftskrise brachte auch ihn in Bedrängnis. Die amerikanischen Geldgeber begannen, an der Solidität seines Imperiums zu zweifeln, und stellten ihre Kredite fällig. Schließlich sah Kreuger keinen Ausweg mehr. Mitte März 1932 erschoss er sich in seiner Wohnung in Paris. Als die Nachricht durchsickerte, brachen die Börsen weltweit ein. Das Ereignis ist als "Kreuger-Crash" in die Finanzgeschichte eingegangen.

Rüstungskonjunktur

War damit wirklich die "Krisenwende" geschafft, wie Somary in einer Mitte 1932 erschienenen Schrift proklamierte? Kennzahlen weisen darauf hin, dass zu dieser Zeit tatsächlich eine gewisse Erholung eintrat. Allerdings waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Volkswirtschaften beträchtlich. Kaum gab es in Deutschland erste Signale der wirtschaftlichen Erholung, versank es im Nationalsozialismus. Die von Hitler entfesselte Rüstungskonjunktur sorgte für Vollbeschäftigung, wäre aber letztlich nur durch einen Sieg im unweigerlich folgenden Krieg zu finanzieren gewesen.

In den USA hielt sich die Depression trotz Roosevelts "New Deal" hartnäckig. Und in der Mehrzahl der Staaten ging es nur sehr langsam wieder aufwärts. Für einen nachhaltigen weltweiten Aufschwung fehlte es an einer funktionierenden Weltwährungsordnung. Und so sollte schließlich auch Somarys düsterste Prognose - die vom kommenden Krieg - Wirklichkeit werden.