Eine gut organisierte Jäger- und Sammlergruppe dürfte schon vor rund 23.000 Jahren ihre Jagdbeute zur längeren Haltbarkeit gekühlt haben. Eine im Sommer entdeckte Steinkonstruktion nahe Krems in Niederösterreich gibt nun Aufschluss über diese Vorgehensweise, wie Grabungsleiter Thomas Einwögerer vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften berichtet. Die damalige Bevölkerung lagerte darin Rentierfleisch. Ähnliche Fleischspeicher gebe es auch gegenwärtig noch.

Das heute am Rande des Waldviertels gelegene Gebiet glich zum Ende der letzten Kaltzeit 24.500 bis 18.000 vor Christus mehr dem heutigen Norden Skandinaviens und weniger der nunmehr milden Weinbauregion. Das Klima war recht trocken und der Boden ganzjährig gefroren - also Permafrostboden. Wenn im Sommer die Sonneneinstrahlung stärker wurde, taute lediglich die Oberfläche etwas auf und bildete in den Senken Matsch.

Dieses von Wind und Kälte geprägte Land war jedoch für die Großwildjagd gut geeignet, da es weithin einsehbar war und den Tieren weniger Versteckmöglichkeiten bot als dichter Wald. Das machte das Gebiet für altsteinzeitliche Jäger durchaus attraktiv.

Fund im Sommer freigelegt

In einem Kessel inmitten der kleinen Hügelkette zwischen dem heutigen Kamp- und Straßertal stießen die Forscher an der jungpaläolithischen Fundstelle Kammern-Grubgraben auf eine "Steinpackung", die sie als Kühlschrank beziehungsweise Speicher für Rentierfleisch aus der Altsteinzeit interpretierten. Der im Sommer freigelegte Fund entpuppte sich als durchaus ausgeklügelt: Er befindet sich an der höchsten Stelle des rund 40 mal 40 Meter großen frühzeitlichen Lagerplatzes, wo es auch im feucht-matschigen Sommer am trockensten blieb.

"Dort legten die Menschen eine Lage Steinplatten auf. Darauf schichteten sie dann das ausgebeinte Fleisch", erklärt Einwögerer. Dann kamen wieder Steine als Zwischenlage. Bis zu sechs solche Schichten und rund einen halben Meter Höhe hatte die gefundene Steinpackung mit rund zweieinhalb Metern Seitenlänge. Rundherum wurde die Konstruktion erneut mit Steinen bedeckt, die teils über hunderte Meter befördert werden mussten.

Genau diese Strategie verfolgen heute noch Inuit etwa im Norden Kanadas. Der Permafrostboden kühlt nämlich das Fleisch von unten sehr gut, gleichzeitig kann der Wind durch die Zwischenräume ziehen. Das ergibt leicht gefriergetrocknetes Fleisch, das über Monate oder vielleicht auch länger haltbar und gleichzeitig vor Räubern, wie Füchsen und Wölfen, geschützt ist. Das half den damals mobilen Gruppen bei der Nahrungsversorgung, denn sie konnten einen Lagerplatz monatelang verlassen und später zurückkehren, ohne dort vor dem Nichts zu stehen, wie es ihnen davor vermutlich öfter passiert sein könnte.

Der Platz war auf jeden Fall strategisch gut gewählt, denn aufgrund der Kessellage auf dem Hügelrücken zwischen den Tälern war die Gruppe einerseits recht gut geschützt. Andererseits kamen die Rentierherden dort vermutlich automatisch vorbei, wenn sie von einem ins andere Tal wechselten. "Man hat sich dort vielleicht wie ein Korken im Flaschenhals hineingesetzt und den Übergang blockiert, um eine ganze Herde gleichzeitig zu erwischen", erklärt Einwögerer. Der kurzzeitige Fleischüberschuss musste dann in Folge auch gebunkert werden.

Die nun gefundenen Tierknochen sind zwar nicht sehr gut erhalten und Holzkohlereste wurden vom Wind verblasen. Trotzdem lassen sich aufgrund von gefundenen Steinklingen oder Schmuck Rückschlüsse auf das damalige Leben ziehen. So musste die Gruppe insgesamt relativ organisiert gewesen sein. Die Speichermethode sei jedenfalls sehr gut geeignet gewesen, "um relativ viel Fleisch mit moderatem Aufwand zu konservieren", so der Forscher. Denn zum Räuchern gab die Gegend vermutlich nicht genug Holz her und zum Lufttrocknen hätte es große Gestelle zum Aufhängen und Zeit gebraucht.