Münzen werden als Zahlungsmittel schon seit Jahrtausenden verwendet, in Österreich beginnt die offizielle Geschichte der Münze vor 825 Jahren – 1194 gründete Herzog Leopold V. die Münze Wien und ließ die ersten silbernen "Wiener Pfennige" schlagen. Dieses Jubiläum feiert die Münze Österreich AG heuer in großem Stil, unter anderem mit der Herausgabe einer Jubiläumsunzen-Serie "825 Jahre Münze Wien". Die Aversseite der drei Jubiläumsunzen ziert das Reitersiegel Leopolds V., das den Regenten als Feldherrn zu Pferd mit Wappenschild und Fahne zeigt. Auf den Reversseiten finden sich Leopold als Brustbild, Wiener Neustadt und Robin Hood (in Anspielung auf die Legende um Richard Löwenherz und den "König der Diebe"). Bei der Jubiläumsunzenserie mit einem Nominalwert von 1,50 Euro handelt es sich um eine Bullionmünze (Anlagemünze), und als solche ist sie ident mit dem Wiener Philharmoniker 1 Unze Feinsilber.

Prägeanstalt für die Münzen
Das Unternehmen, das aus der Wiener Münze entstand und erstmals 1397 urkundlich mit ihrem Sitz in der Wollzeile erwähnt wird, ist für die Prägung, Gravur und Ausgabe der österreichischen Münzen verantwortlich. Seit dem Ersten Weltkrieg ist das Unternehmen die einzige Prägeanstalt für die entstandene Republik Österreich. 1987 wurden Überlegungen angestellt, das Münzregal auf die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) zu übertragen, das Münzprivileg zu verkaufen und das Währungssystem zu reorganisieren.

Bei den Preisverhandlungen zwischen Finanzministerium und OeNB über das Hauptmünzamt und das Prägerecht einigte man sich 1988 schließlich darauf, das Hauptmünzamt mit Wirksamkeit zum 1.1.1989 um acht Milliarden Schilling an die OeNB zu verkaufen und die Münze Österreich AG entstehen zu lassen. Gebettet wurde der Verkauf in das Scheidemünzengesetz, das am 4.11.1988 im Bundesrat beschlossen wurde. Es ermächtigte mit § 1 und § 3 den Bundesminister für Finanzen, den Bundesbetrieb "Österreich. Hauptmünzamt" mitsamt dem Münzregal in eine Aktiengesellschaft zu überführen, deren Aktien als vinkulierte Namensaktien auszubringen waren.

Doch nicht nur früher der Schilling und nun der österreichische Anteil des Euro werden von der Münze Österreich ausgegeben, auch zahlreiche Anlagemünzen wie der Wiener Philharmoniker (in Gold, Silber und Platin) werden von ihr hergestellt. Auch dieser feiert ein Jubiläum: Der Wiener Philharmoniker wurde erstmals vor 30 Jahre auf den Markt gebracht. Geschenk-, Sammler- und Gedenkmünzen finden sich ebenfalls im Portfolio. Und in ihrer Funktion als Prägeanstalt arbeitet die Münze Österreich für Auftraggeber aus aller Welt.

Löwenherz' Lösegeld
Begonnen hat alles wie bereits erwähnt im Jahr 1194. Die Gründung der Münze Wien erfolgte jedoch nicht aus einer reinen Laune heraus, sondern hatte einen triftigen Grund: 100.000 Mark Reinsilber. Das war das Lösegeld, das für die Befreiung des englischen Königs Richard Löwenherz, der in Dürnstein gefangen gehalten wurde, zu zahlen war. Der hatte sich nämlich 1191 nach der Einnahme der Stadt Akkon im Zuge des Dritten Kreuzzuges mit Leopold V. überworfen. Im Dezember 1192 wurde Richard Löwenherz auf der Rückreise nach England in Erdberg, damals ein Vorort von Wien, festgenommen und in Dürnstein inhaftiert. Schließlich wurden Leopolds Lösegeldforderungen erfüllt.

Die immense Menge Silber, die dem englischen Volk abgenötigt worden war und den dreifachen Jahreseinnahmen der englischen Krone entsprach, verwendete Leopold V. dazu, die erste Wiener Prägestätte und gleich auch Wiener Neustadt zu gründen. Taler, auch Guldiner genannt, wurden jedoch erstmals 1486 in Hall in Tirol geprägt, wo 1554 auch erste Versuche mit einer Walzenprägung durchgeführt wurden. Das Taschenwerk, eine Weiterentwicklung der Walzenprägung, wurde 1650 dann auch in Wien eingeführt. Damit wurde auch 1780 erstmals der Maria-Theresien-Taler geprägt. Nach mehreren Standortwechseln landete die Münze Österreich schließlich am Heumarkt, wo sie sich auch heute noch befindet.

Gold, Silber, Kupfer, ...
Münzen werden aus verschiedensten Materialien hergestellt. In der Antike wurden fast ausschließlich die Metalle und Legierungen Gold, Elektron, Silber, Billon, Kupfer, Bronze, Potin und Messing beziehungsweise Aurichalkum verwendet. Ab dem Mittelalter bis etwa 1850 waren (zumindest in Deutschland) nur noch Gold, Silber und Kupfer und deren Legierungen für die Münzprägung erlaubt. Ab etwa 1860 kamen vermehrt andere Metalle wie Eisen, Nickel, Zink, Aluminium oder Chromstahl zur Anwendung.

Fast immer wurden und werden die reinen Metalle, insbesondere Gold, Silber, Kupfer und Aluminium, aus Gründen der Abriebfestigkeit mit anderen Metallen legiert. Besonders Kupfer ist wegen seiner antibakteriellen Wirkung und guten Verfügbarkeit ein wichtiger Bestandteil heutiger und früherer Münzlegierungen. Münzen, deren Kurswert durch den inneren Wert (Metallwert) bestimmt ist, werden Kurantmünzen genannt. Als Scheidemünzen bezeichnet man Münzen, deren Nominalwert nicht dem Metallwert entspricht. Der Materialwert aller heutigen Umlaufmünzen liegt stets unter dem Nominalwert und sie sind somit Scheidemünzen. Dies trifft auf alle heutigen Umlauf- und viele Gedenkmünzen zu, da deren Wert nur durch staatliche Garantien gedeckt ist, womit es sich um sogenanntes Kreditgeld handelt.

Runde Werte
Die derzeit vom Sammlerwert her teuerste Münze der Welt ist der 1794 Flowing Hair Silver Dollar. Am 24. Januar 2013 erzielte eine solche Münze den Rekordpreis von 10,016.875 Millionen Dollar. Dieser Silber-Dollar ist der erste US-Dollar überhaupt, der von der U.S.-Mint (Bundesbehörde der Vereinigten Staaten, die vor allem für die Prägung des US-Dollars zuständig ist) geprägt wurde.
Auf Platz 2 liegt ebenfalls eine US-amerikanische Münze, nämlich der 1933 Double Eagle, der 7,590.000 Millionen US-Dollar einbrachte. Auf den weiteren Plätzen folgen der Liberty Nickel von 1913, eine der bekanntesten Fehlprägungen der Welt; der Dexter Dollar von 1804; der Brasher Doubloon von 1787; der 100-Gold-Dukaten "Sigismund III."; der Half Dime 1792, der zu den ersten offiziell ausgegebenen Münzen der Vereinigten Staaten von Amerika gehört; die 1898 Single 9 Pond, die erste Ein-Pfund-Goldmünze, die 1899 während des Burenkrieges zwischen Südafrika und dem Britischen Königreich produziert wurde; die portugiesische 100-Escudos-Münze und der kanadische Dei-Gratia-Dollar 1911, der lange Zeit als nicht existent galt und von dem nur zwei Stück existieren.