Feldherr Wallenstein aus Friedrich Schillers "Wallenstein", um 1859. - © Friedrich Pecht
Feldherr Wallenstein aus Friedrich Schillers "Wallenstein", um 1859. - © Friedrich Pecht

Wallenstein war zwischen den beiden Konfliktparteien hin- und hergerissen und löste sich samt seiner Armee zusehends aus dem kaiserlichen Lager. Als der Kaiser Wallenstein nach Regensburg beorderte, um die Stadt vor der Eroberung zu schützen, verweigerte er den Gehorsam. Bald darauf wurde ihm von den Protestanten die Krone Böhmens versprochen, um ihn endgültig zum Abfall vom katholischen Kaiserhaus zu bewegen. Wallenstein nahm das Angebot zwar nicht an, aber er schwankte, konnte sich für keine der beiden Seiten entscheiden und verärgerte dadurch schließlich beide. Bis heute ist unter Historikern umstritten, warum er so zögerlich war und sich zu keinem Entschluss durchringen konnte.

Zögernder Wallenstein

In seinem Drama "Wallenstein" hat Friedrich Schiller dieses Zaudern des Feldherrn zum Thema gemacht. Auch der literarische Wallenstein hält sich alle Optionen offen, lässt sich von seinem Sterndeuter Horoskope erstellen, von denen er das weitere Vorgehen abhängig macht, und als er von einem seiner Generäle zu einer Entscheidung gedrängt wird, antwortet er mit: "Ich kann jetzt noch nicht sagen, was ich tun will."

Später muss er feststellen, dass er sich durch sein Zaudern in eine prekäre Situation gebracht und nur noch wenige Optionen hat: "Wär’s möglich? Könnt ich nicht mehr, wie ich wollte? Nicht mehr zurück, wie mir’s beliebt?" Am Ende sollte es mit Wallenstein ein schlechtes Ende nehmen. Der Kaiser sah ihn nach den Verhandlungen mit den Protestanten und den verweigerten Befehlen als einen Verräter, Wallenstein musste fliehen, wurde aber in der Stadt Eger von kaiserlichen Soldaten ermordet.

Eine andere literarische Persönlichkeit war zwar ebenfalls sehr zauderlich, anders als für Wallenstein brachte ihn seine Unentschlossenheit aber nicht in eine Lage mit tödlichem Ausgang. Die Rede ist von Ulrich, dem "Mann ohne Eigenschaften". Der gleichnamige Roman von Robert Musil gilt als einer der bedeutendsten des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Handlung: Im Jahr 1913 beginnen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung von Kaiser Franz Joseph.

Ulrich soll bei der Planung des Jubiläums mithelfen. Er ist ein großer Zauderer, der sogar bei banalen Dingen wie dem Einrichten seiner Wohnung keine Entscheidung treffen kann, verfügt aber über einen ausgeprägten Möglichkeitssinn: "Wer ihn besitzt, sagt beispielsweise nicht: Hier ist dies oder das geschehen, wird geschehen, muss geschehen; sondern er erfindet: Hier könnte, sollte oder müsste geschehn; und wenn man ihm von irgend etwas erklärt, daß es so sei, wie es sei, dann denkt er: Nun, es könnte wahrscheinlich auch anders sein." Die Spannung zwischen den vielen möglichen Realitäten und der einen, die tatsächlich Wirklichkeit geworden ist, lassen Ulrich immer wieder innehalten, zögern, nachdenken.