Über einen Schlauch pumpte die zuständige Baufirma in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt den Kellerschutt nach oben, und zwar bei laufendem Schulbetrieb. "Wir haben den Kindern die Situation erklärt, sie aber hauptsächlich von der Baustelle ferngehalten", sagte Bauer: "Es ging sachte vonstatten. Der Keller steht jetzt als Mahnmal unter Denkmalschutz."

Angesengte Bücher. - © Klaus Pichler
Angesengte Bücher. - © Klaus Pichler

Statt Synagoge ein Turnsaal

Aus dem Sand kamen Gebetsbücher, gedruckte Thora-Bücher, Bruchstücke von Gedenktafeln, Ketten, eine Chanukka-Lampe, handbemalte Glasfenster und andere Utensilien der Synagoge. Auch jede Menge profaner Objekte, wie Tintenfässer, Emailgeschirr aus der Schul- und Ausspeiseküche, diverse Glasflaschen, Uhrenblätter, Hanteln aus Metall für den Turnunterricht und verbrannte oder angesengte Teile von Büchern und Kalendern wurden gefunden.

Genau genommen handelt es sich um zwei Funde: Ursprünglich trug das freigelegte Gewölbe ein Gebäude, welches beim Umbau 1906 abgerissen wurde. Danach stützte es die neue, nach hinten versetzte Synagoge, deren Außenfassade heute noch sichtbar ist. Um aber den Brandschutt aus dem Novemberpogrom zu entsorgen, wurde 1938 das Kellergewölbe aufgebrochen. Als der unterirdische Raum voll war mit Staub und Ruß, stampfte man den restlichen Schutt 1,5 Meter hoch fest und versiegelte ihn mit einem Fußboden, auf dem hernach Buben turnten. 1956 musste der Boden des Turnsaals verstärkt werden.

Emailgeschirr. - © Christoph Schleßmann
Emailgeschirr. - © Christoph Schleßmann

"Wir haben einige Funde gereinigt und restauriert, andere aber noch nicht erforscht", erklärte Birgit Johler, die Kuratorin der Ausstellung "Nicht mehr verschüttet: Jüdisch-österreichische Geschichte in der Wiener Malzgasse", in der die Objekte bis 19. April 2020 im Haus der Geschichte Österreich zu sehen sind. Die Sozialforscherin sieht die Sammlung, die im Besitz des Schulvereins bleibt, als "laufendes Forschungsprojekt, manche Objekte lassen sich im restaurierten Zustand besser studieren", sagte sie. Um aber das Gewölbe als Gedenkstätte zugänglich machen zu können, muss man auf öffentliche Gelder oder private Spenden hoffen. Denn zunächst muss die Schule ihr Platzproblem lösen.